Tor de France

Vom 10. Juni an ist Frankreich vier Wochen lang der Schauplatz der Fußball-Europameisterschaft 2016. Während sich die Sportwelt auf tolle Spiele freut, dämpfen die Sicherheitsmaßnahmen und die Sorge vor Terroranschlägen die Fußball-Euphorie. Main-Post-Chefreporter Achim Muth berichtete live aus dem Nachbarland.

  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/19/2016 11:30:41 AM

    Wort am Sonntag

    Thomas Müllers philosophische Betrachtung des Begriffs Fußballspiel

    Thomas Müller war Golfen, Mario Götze hat eine Fahrradtour gemacht - auch an ihrem gestrigen freien Tag haben die Nationalspieler Sport getrieben. Thema in der Pressekonferenz war natürlich auch heute die Diskussion um das Offensivspiel der deutschen Elf, kein Wunder bei der Besetzung auf dem Podium. Mario Götze nahm die Kritik gelassen: "Mal bist du der Hund, mal der Baum", sagte er, während Thomas Müller ebenfalls ein wenig mit der Beurteilung duch die Medien haderte. Klar, er habe noch nicht die Torerfolge gehabt, die auch er sich wünsche. Wenn das also die Messlatte für die Beurteilung einer Leistung sei, dann habe er die Erwartungen nicht erfüllt. Leider werde nicht "die gesamte Arbeit für die Mannschaft bewertet", so Müller, der in der Tat gegen Polen sehr engagiert nach hinten gearbeitet hat.
    "Wir sind nicht beunruhigt"
    "Manchmal wünsche ich mir ein bisschen mehr Objektivität", sagte er, aber auch "vorne ein bisschen mehr Durchschlagskraft. Aber wir werden Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Wir sind nicht beunruhigt". Gegen Nordirland am Dienstag in Paris (18 Uhr / Prinzenparkstadion) erwartet der 73-malige Nationalspieler eine Partie gegen einen sehr defensiv eingestellten Gegner: "Da werden elf Leute mit großem Teamgeist verteidigen", so der 26-Jährige vm FC Bayern München. "Es wird kein Spaziergang und kein Schützenfest." Aber nicht nur im Training, sondern auch im therotischen Teil der Vorbereitung, "werden wir ein paar Dinge erarbeiten", die schließlich zum Sieg und zum Gruppensieg führen sollen.
    "Ein Fußballspiel ist komplex"
    Tja, und dann fügte Thomas Müller eine fast noch philosophische Betrachtung an, eine Art Wort am Sonntag an: "Auch wenn man sich Gedanken macht, wie es am besten funktioniert, ist es immer noch ein Fußballspiel, in dem ein Gegner mitmacht. Nur weil man sich in der Theorie etwas überlegt, was am Reißbrett gut assieht, heißt das nicht, dass es in der Realität mühelos funktioniert", sagte Müller. "Ein Fußballspiel ist komplex. 22 Mann laufen hinter dem Ball her, da macht nicht jeder, was man erwartet. Auch der Ball springt nicht immer in die Richtung, in die man es will. Fußball ist mehr. Es macht den Reiz aus, "dass man vorher nicht weiß, wie es ausgeht".

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/19/2016 11:03:38 AM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/19/2016 9:31:22 AM

    Nach ihrem freien Tag sind die Nationalspieler wieder in das Training eingestiegen. Pünktlich zum Beginn um 11 Uhr begann es wieder zu regnen, ein Tag ohne Regen darf offensichtlich nicht sein in Évian-les-Bains, dieser Stadt des Wassers. Das komplette Team absolvierte die Einheit, auf dem Rasen hatten die Trainer einen Stangenwald aufgebaut, in dem die Mannschaft anfangs das Direktpassspiel übte. Nach 15 Minuten wurden die Tore für uns wieder geschlossen. Um 12.45 Uhr folgt die Pressekonfrenz.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/19/2016 7:59:39 AM

    Tor de France

    Die Schmach von Évian-les-Bains

    Im Anschluss an die launige Pressekonferenz mit dem Bundestrainer gab es doch noch eine allerletzte Frage, es war die wichtigste des Vormittags. Joachim Löw war schon auf dem Weg zum Ausgang, als sich ihm ein Kollege aus unserer Neun-Männer-WG mutig in den Weg stellte: Ob wir wohl am Abend den Kunstrasenplatz des DFB-Trainingszentrums für ein Fußballspiel nutzen dürften? Schließlich habe er den Nationalspielern frei gegeben, eine Kollision mit den stollenbeschuhten Treterbeinen der Journalisten sei also unmöglich. Joachim Löw musste nicht lange überlegen, er ist ja selbst ein Freizeitkicker, der sich mit seinen Freunden zuhause im Schwarzwald regelmäßig auf dem Fußballplatz trifft. Vor fünf Jahren haben wir in einer Hamburger Soccerhalle auch mal gegen das DFB-Trainer- und Betreuerteam gekickt. Das Spiel war intensiv, es wurde fleißig durchgewechselt, der einzige, der die komplette Stunde auf dem Feld gestanden hatte, war Joachim Löw. Also antwortete er: „Ja, klar.“ Am Abend schloss uns ein Wachmann das Tor zur DFB-Anlage auf. Unsere Hausgemeinschaft aus „SZ“, „Frankfurter Rundschau“, „Hamburger Abendblatt“, „Stuttgarter Zeitung“, „Berliner Morgenpost“ und „Main-Post“ verstärkte sich mit einem linken Verteidiger von „L’Équipe“, einem Mittelfeldspieler vom „Bonner Generalanzeiger“ und einem Stürmer von „Sport1“. Dazu verpflichteten wir eine Kollegin des Pay-TV-Senders „BeIN Sports“, die einmal in der ersten französischen Liga gespielt hat. Sie war unser bester Mann. Gegner war ebenfalls eine buntgemischte Journalistenauswahl. Was soll ich sagen? Ich vergab zwei Riesendinger. Wir verloren 3:6. Unser Teamchef war sauer. Am Ausgang standen zum Glück keine Reporter mit kritischen Fragen.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/19/2016 6:08:13 AM

    Abgang durch die Hintertür: Unsere Neun-Mann-WG verlor ein Freundschaftsspiel unter Journalisten mit 3:6 auf dem Kunstrasenplatz des DFB-Trainingszentrums. Noch am Abend gab es eine Krisensitzung im Haus am See. Wie es dazu kommen konnte, wie die Reaktionen ausfallen, welche Konsequenzen gezogen werden - mehr dazu später an dieser Stelle.
    Im Medienzentrum gibt es heute um 12.45 Uhr eine Pressekonferenz mit Oliver Bierhoff, Thomas Müller und Mario Götze.

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/18/2016 5:58:54 PM
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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/18/2016 2:03:00 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/18/2016 11:40:53 AM

    Der Platz von Joachim Löw auf dem Podium der Pressekonferenz ist wieder leer. Einen Bericht über seinen launigen Auftritt heute Morgen gibt es hier:

    Sturm im Wasserglas

    Wie ein bestens gelaunter Bundestrainer Joachim Löw die Kritik an der Offensive weglächelt

    Irgendwann war auch sie beantwortet, die letzte Frage. Fast 45 Minuten hatte sich der Bundestrainer den Journalisten gestellt, länger als üblich, und nun, es herrscht bereits Aufbruchsstimmung, rückt sich Joachim Löw doch noch mal das Mikrofon zu recht. Dieser letzte Jux muss sein. „Morgen beim Training liegt der Schwerpunkt auf dem gleichen Thema wie bei dieser PK“, sagt er, blickt kurz zu den Reportern und schiebt dann die Auflösung hinterher: „Auf der Offensive“. Löw schmunzelt und sieht aus, als freue er sich selbst am meisten über seinen Witz. Der Schlusspunkt verdichtet diese morgendliche Fragestunde auf perfekte Weise. Im Laufe seiner nun zehn Jahre währenden Amtszeit hat der Bundestrainer beständig sein Profil geschärft, die Erfolge haben ihm Sicherheit gegeben, und seit dem WM-Titel, so scheint es, bringt ihn nun gar nichts mehr aus der Ruhe. Am wenigsten die Debatte um den deutschen Angriff, die nach zwei Spielen ohne Stürmertor ein paar sanfte Wellen schlägt hier am Gestade des Genfer Sees.
    Spieler haben frei
    Selten war Joachim Löw bei einer Pressekonferenz so gelöst, so gesprächig wie bei diesem Auftritt im Halbzeitformat in Évian-les-Bains. Klar, er hatte im Spiel gegen Polen „schonn au“ registriert, dass das Kombinationsspiel seines Kreativvierecks aus Götze, Müller, Özil und Draxler oft im Ansatz erstickte. Dynamik, Überraschendes, Geschwindigkeit – all das wurde im letzten Drittel der Rasenfläche vermisst. „Wir haben fast keine Chancen herausgespielt“, sagt Löw. Es habe auch keine „Investition in Laufwege“ stattgefunden, wie er die mangelhafte Bewegung etwas sperrig kritisiert, aber davon eine Krise im Angriff abzuleiten? Das fällt Joachim Löw gar nicht ein. „Das ist kein grundsätzliches Problem“, sagt der Bundestrainer, „sondern ein Ansatz für den Trainingsplatz.“ Am Samstag hat er seinen Spielern erstmal frei gegeben. Auch das ist eine Antwort. Für ihn ist die Kritik ein Sturm im Wasserglas.
    Löws Selbstsicherheit
    Er kennt das ja. Diese Aufgeregtheiten. Das Pushen eines Themas. Diese maximale Beobachtung bei einer Europameisterschaft. Er kennt das, und er mag das. Erst dieser Tage hat der Teampsychologe Hans-Dieter Hermann die Fähigkeit Löws betont, ruhiger zu werden, je mehr es auf die Herausforderung zugeht: „Er verarbeitet Druck eher nach innen“, sagte Hermann. „Er weiß, dass er sich auf sich verlassen kann, wenn’s drauf ankommt, weil er das schon mehrfach erlebt hat.“ Löw, der Turniertrainer. Vor dem Halbfinale war noch nie Schluss für ihn.
    Also sieht der Bundestrainer keinen Grund für eine Kurskorrektur, er ist von den Fähigkeiten seiner Spieler überzeugt. Dass die Nationalelf keine Trickser wie vielleicht der FC Bayern mit Franck Ribéry und Arjen Robben oder der FC Barcelona mit Lionel Messi und Neymar habe, ist nicht neu. „Wir haben keine Eins-gegen-Eins-Spieler, wir haben Passspieler“, so der 56-Jährige, „hervorragende Passspieler“. Er formulierte dies nicht als Kritik, sondern eher als Auftrag an den Ausbildungsbetrieb Bundesliga. Früher, als er angefangen habe, da sei auch das Passspiel in Deutschland „ein Desaster“ gewesen. Heute habe man Akteure wie Kroos, Özil und Götze, die mit einem Pass fünf, sechs Gegner überspielen könnten.
    "Wir werden Gruppensieger"
    Auch wenn Löw die Nordiren als „durchaus gefährlich“ einstuft, so stellte er vor dem Gruppenfinale am Dienstag in Paris (18 Uhr/Prinzenparkstadion) doch ungewöhnlich forsch klar: „Wir werden gewinnen. Wir werden Gruppensieger.“ Derzeit rangiert das DFB-Team (vier Punkte) zusammen mit den punktgleichen Polen aufgrund der besseren Tordifferenz auf Rang eins. Leichte Veränderungen im Team könnte es geben, kündigte der Bundestrainer an, ohne jedoch konkret zu werden. Unwahrscheinlich scheint, dass einer der Jungen wie Leroy Sané oder Joshua Kimmich in der Startformation stehen werden, weil es für sie eine „besondere Drucksituation“ sei. Möglich, dass André Schürrle auf der linken Seite den Vorzug vor Julian Draxler erhält. Vielleicht rückt auch Bastian Schweinsteiger auf die Sechserposition neben Sami Khedira und Toni Kroos bringt seine genialen Fähigkeiten der Ballverteilung dafür weiter vorne zum Einsatz. Der Bundestrainer, das ist die Botschaft dieses Morgens, schenkt seinem Stammpersonal im Angriff das Vertrauen. Mario Götze, Thomas Müller, Mesut Özil, sie müssen es jetzt nur noch zurückzahlen.

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/18/2016 10:56:37 AM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/18/2016 9:40:28 AM

    Showkochen mit Holger Stromberg
    Das Pressezentrum in Évian ist gerade zu einer Küche umfunktioniert worden. Holger Stromberg, der Mannschaftskoch der Nationalelf, bruzzelt hier gerade Lachs, schnippelt Gemüse und erzählt lautstark über die Essgewohnheiten der Kicker. Bekomme langsam Hunger.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/18/2016 8:55:09 AM

    Joachim Löw 40 Minuten im Fragenhagel
    So aufgeräumt, so locker, so gut gelaunt haben wir Joachim Löw selten erlebt auf einer Pressekonferenz. Ein Espresso - und dann ging's los. 40 Minuten Fragenhagel, und der Bundestrainer hatte auf alles eine Antwort. Die Zusammenfasung in Schlagworten lautet so: Gegen Polen haben die Laufwege in der Offensive nicht gepasst, Jérôme Boatengs Kritik war richtig, Deutschland wird Gruppensieger, gegen Nordirland kann es Veränderungen im Team geben, es fehlen in Deutschland Eines-gegen-Eins-Spieler.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/18/2016 7:05:37 AM
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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/17/2016 6:02:13 PM
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  • Unser Chef-Reporter Achim Muth gibt in diesem Video-Trailer Einblicke in die erste Woche mit der Nationalmannschaft in Evian:
    Klicken Sie hier, um das Facebook-Video zu sehen
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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/17/2016 2:55:52 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/17/2016 2:55:50 PM

    Flüchtlingshelfer aus Mainfranken im Stade de France

    Würzburg/Paris Ein unvergessliches Erlebnis war die Paris-Reise zum EM-Spiel der deutschen Mannschaft gegen Polen im Stade de France für die Gewinner unserer Aktion „Flüchtlingshilfe“. „Es war ein beeindruckender Abend mit einer gigantischen Atmosphäre“, sagen Christine und Christian Schwab aus Nassach (Lkr. Haßberge). Auch Kathrin und Martin Falger aus Kürnach (Lkr. Würzburg) waren begeistert: „Es ist toll, solch ein Spiel mal so hautnah erleben zu dürfen.“ Die Unterfranken duften stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer aus der Region nach Paris reisen. Neben dem Fußballspiel standen auch die Sehenswürdigkeiten der französischen hauptstadt auf dem Programm. „Mit der Aktion möchten einfach mal Danke sagen für das große ehrenamtliche Engagement in der Region Mainfranken“, so Main-Post-Chefredakteur Michael Reinhard und Volkhard Bauer, Chef des Reiseunternehmen Khayamedia, die die Aktion gemeinsam initiiert hatten. Unser Bild zeigt von links vor dem Stade de France: Christian und Christine Schwab sowie Kathrin und Marting Falger. Rechts Sebastian Schmitt von Khyamedia.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/17/2016 2:53:33 PM
    La Abwehr

    Nach dem 0:0 gegen clever verteidigende Polen steht die deutsche Offensive in der Kritik

    Paris In den wenigen Tagen dieser Europameisterschaft ist eine kleine Kluft entstanden in der deutschen Nationalelf. Ein feiner Haarriss nur, aber das Missverhältnis zwischen starker Abwehr und schwachem Sturm, es tritt deutlich zu Tage. Das DFB-Team spielte zweimal zu null, aber in der Offensive, der Herzkammer des deutschen Spiels, krankt es. Schon beim 2:0-Auftaktsieg gegen die Ukraine waren es Abwehrspieler Shkodran Mustafi und der spät eingewechselte Bastian Schweinsteiger, die die Tore erzielen mussten. Götze? Müller? Özil? Draxler? Fehlanzeige.
    Aus „La Mannschaft“ wird so „La Défense“ – die Abwehr. Auch, weil Bundestrainer Joachim Löw nach einem Jahr mit auffallend vielen Gegentoren nun jenen Modus ausgegeben hat, der gemeinhin als Erfolgsformel bei Turnieren gilt: Die Null muss stehen.
    Kritik von Boateng
    Gegen die starken Polen, die mit Leidenschaft und großem Kampf bis zuletzt dagegenhielten, war jedoch die Flaute im Sturm fast eklatant. Jérôme Boateng, der sich mehr und mehr zu einer Art Teamführer aufschwingt, ging deshalb in Paris noch auf dem Feld in den Disput mit den kreativen Köpfen. Einmal haderte er auffällig intensiv mit Thomas Müller, und hinterher, in den Katakomben dieser eleganten Schüssel, die wie ein Ufo im Stadtteil St. Denis parkt, war es wieder Boateng, der die Kritik am deutlichsten formulierte: „Wir können froh sein, dass wir 0:0 gespielt haben“, sagte der Innenverteidiger, der erneut eine starke Leistung bot. „Wir müssen mal zum Abschluss kommen. Wir spielen bis ins letzte Drittel sehr gut, aber dann kommen wir nicht am Gegner vorbei, werden nicht gefährlich. Das müssen wir verbessern, sonst kommen wir nicht weit.“ Mehr laufen, aggressiver sein, Zweikämpfe gewinnen, das gab er seinen Vorderleuten noch mit auf dem Weg.
    Mats Hummels, der nach einer auskurierten Wadenverletzung sein Comeback gab und nach anfänglichen Wacklern der Abwehr wahrnehmbare Stabilität verlieh, schlug ausgleichende Töne an: „Gut verteidigen ist einfach als gut anzugreifen“, sagte Hummels. Aber auch er benannte klar das Problem: „Wir hätten heute in der Offensive deutlich besser agieren müssen, oder können, wie auch immer. Wir haben es echt verpasst, uns Chancen rauszuspielen – das könne wir viel besser.“ Der Neu-Bayer sieht Luft nach oben, denn: „Sollten wir schon am Maximum stehen, sind wir nicht bis zum Finale dabei.“
    Was ist los mit den Wirblern?
    Was also ist los mit den weltmeisterlichen Wirblern? Bisweilen entstand in Paris das Gefühl, die deutschen Angreifer nehmen sich selbst den Raum, machen das Spiel unnötig eng. Die Laufwege passen nicht. Das gefürchtete Kombinationsspiel der Hochbegabten, es kam gegen die gut verteidigenden Polen nicht zustande. „Der Esprit und ein zündender Gedanke haben gefehlt“, sagt Thomas Müller, der bei diesem Turnier bislang so seltsam glücklos wirkt und bislang ohne echte Chance geblieben ist. „Wir sind nicht das letzte Risiko gegangen“, so der Münchner. Aber die Mannschaft arbeite sehr gut zusammen, „die Basis, um erfolgreich zu sein, die ist da“. Für Mesut Özil, der erst gegen Ende des Spiels ein wenig aus der Versenkung aufgetaucht ist, liegt die Antwort beim Gegner: „Die Polen stehen mit 20 Mann hinten drin, da ist es normal, dass du Schwierigkeiten hast.“
    Kein Anlass zur Sorge?
    Tatsächlich besteht auch noch kein wirklicher Anlass zur Sorge. Im zweiten Gruppenspiel hat die deutsche Elf fast schon traditionell Schwierigkeiten, auch vor zwei Jahren gab es in Brasilien ein zähes 2:2 gegen Ghana. Schon mit einem souveränen Sieg gegen Nordirland am Dienstag könnte das Thema zur Scheindebatte verkommen. Bundestrainer Joachim Löw wird deshalb kaum größere Umbauarbeiten an seiner Elf vornehmen. Das Achtelfinale ist dem Team kaum zu nehmen, eine Leistungssteigerung des Titelfavoriten sollte dennoch bald erkennbar sein. „Unser Ziel ist es, mehr Chancen herauszuspielen und effektiv zu sein“, sagte Özil, „Das werden wir in den nächsten Tagen trainieren.“ Und nach einem Sieg gegen den EM-Neuling, so glaubt er, „ist alles wieder gut“.
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/17/2016 12:51:33 PM

    Paris war eine Reise wert, hier ein Bild vom Place d'Italie, wo wir untergebracht waren. Mal etwas Abwechslung vom betulichen Évian-les-Bains. Schön war auch, dass alles friedlich geblieben ist rum um das Fußballspiel. Jetzt sind wir wieder zurück im Quartierort am Genfer See und den Blog wieder mit Material befüllen. Hier schon mal ein Gespräch mit Thomas Müller, das aus seinen Aussagen in der Mixed Zone im Stadion entstanden ist:

    „Wir haben keine Eins-gegen-Eins-Spieler“

    Thomas Müller spricht nach dem 0:0 gegen Polen über die Probleme in der Offensive

    Thomas Müller wartet noch immer auf sein erstes Tor bei einer Europameisterschaft. Der Offensivspieler des FC Bayern München stellte sich nach dem 0:0 gegen Polen in Paris den Fragen der Reporter in der Mixed Zone des Stade de France.

    Wie fällt Ihre Analyse aus?

    Thomas Müller: „Der Punkt ist in Ordnung. Wir haben gezeigt, dass unsere Basis, um erfolgreich zu sein, da ist. Wir arbeiten als Mannschaft gut zusammen, hauen uns rein. Einsatz und Zusammenhalt sind bei jedem einzelnen zu sehen und zu spüren. Aber es hat heute einfach gegen gut verteidigende Polen der letzte Esprit gefehlt, der letzte zündende Gedanke. Deshalb sind wir nicht 100-prozentig zufrieden. Direkt nach dem Spiel, knabbert das an einem.

    Sie haben auch noch kein Tor erzielt . . .

    Müller: „Mich stört gar nicht, dass ich bei der EURO noch kein Tor geschossen habe, sondern dass ich die letzten zwei Spiele keine wirkliche Tormöglichkeit gehabt habe. Wir müssen darauf hinarbeiten, dass unsere Laufwege, unsere Kombinationen wieder zu Chancen führen. Wir müssen Lösungen suchen. Natürlich ist der Gegner nicht ganz unbeteiligt. Aber es werden auch wieder andere Gegner kommen, die nicht nur auf verteidigen und kontern spezialisiert sind.

    Wie kann man Lösungen finden?

    Müller: „Wir müssen in die Analyse gehen. Schauen, was uns gefehlt hat und das im nächsten Spiel dann besser machen. Das letzte Risiko sind wir heute nicht gegangen.“

    Woran liegt das?

    Müller: „Gegenfrage: Was denkst du?“

    Vielleicht, weil Sie so viel defensiv denken?

    Müller: „Das ist ja auch wichtig, daran arbeiten wir auch viel. Wir haben zweimal zu Null gespielt. Wenn man Turniere gewinnen will, ist das das A und O. In der Offensive haben wir in Deutschland gegen Abwehrbollwerke nicht den Eins-gegen-Eins-Spieler, wie wir ihn beim FC Bayern haben. So ein Spieler fehlt vielleicht, aber den können wir uns in Deutschland nicht herzaubern. Deshalb müssen wir es mit Kombinationsspiel versuchen. Da fehlte aber der letzte Pass.“

    Sind Sie überrascht, dass bei der EM so wenig Tore fallen?

    Müller: „Hier haben alle Mannschaften körperliches und taktisches Verständnis. Es ist nicht mehr so wie vor 20 Jahren, dass kleinere Länder fußballmäßig hinten sind. Die haben alle Trainer, die sich fortbilden und eine Ahnung davon haben, wie man Ergebnisse einfahren kann. Eine EM ist für keine Mannschaft ein Spaziergang. In Europa ist die defensive Disziplin höher als bei Mannschaften aus Südamerika oder Afrika.“

    Nervt es, dass so viele Mannschaften gegen Euch hinten drin stehen?

    Müller: „Kann man so sagen. Aber es hilft nichts, sich darüber zu beklagen. Es ist legitim.“

    Fehlt Ihnen im Moment ein wenig das Glück?

    Müller: „Ich weiß nicht, ob das Glück fehlt. Es ist grundsätzlich so, dass wir uns als Mannschaft zu wenige Torchancen herausarbeiten, und deshalb habe eben auch ich zu wenig Tormöglichkeiten.“

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/17/2016 10:55:19 AM
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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/17/2016 10:50:40 AM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 9:03:14 PM

    Das Stadion in St. Denis leert sich langsam. 0:0 lautete das Ergebnis, aber die vielleicht wichtigste Nachricht des Abends: Es blieb friedlich im Stade de France. Bis morgen!

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 8:58:37 PM
    Die deutsche Mannschaft tut sich mit dem zweiten Spiel in Turnier weiterhin schwer: In Paris gab s nach dem 2:0-Auftakterfolg gegen die Ukraine nun ein 0:0 gegen Polen. Es war eine zähe Partie des Weltmeisters, der sich gegen die bissigen und leidenschaftlich kämpfenden Polen schwe tat. Hier die Einzelkritik:

    Manuel Neuer: Brauchte seine Hände eigentlich nur bei der Platzwahl, als er Wimpel mit Robert Lewandowski tauschte. Als Torwart diesmal nicht gefragt, eher als Manu, der Libero. Ordentliches Passspiel des Keepers. Unterband mit gelegentlichen Exkursionen an den Äquator des Spielfeldes polnische Angriffe.

    Jonas Hector: Der Kölner wirkte sehr agil auf der linken Seite. Entfaltete mehr Offensivgeist als sein Gegenüber Höwedes.

    Benedikt Höwedes: Die Leistung des Schalkers bleibt noch immer eher unter Tage. Gewann immerhin den inoffiziellen Wettbewerb des höchsten Befreiungsschlages. Sein Fußball diesmal eher Marke Briegel, denn Generation Gold.

    Mats Hummels: Hatte seinen Einsatz schon am Mittag getwittert, und sollte Recht behalten. Rückte also für Shkodran Mustafi ins Team. Sah gegen Ex- und Bald-wieder-Vereinskollegen Lewandowski anfangs mal alt aus. Wichtigste Botschaft: Die Wade hält.

    Sami Khedira: Der Turnier brachte früh Farbe ins Spiel: Erhielt schon in der dritten Minute die gelbe Karte. Sehr präsent im defensiven Mittelfeld. Zweikampfstark. Außerdem gelang ihm kurz vor der Halbzeit tatsächlich so etwas wie ein Torschuss. Ging aber weit vorbei.

    Mesut Özil: Die Feierlichkeiten anlässlich seines 75. Länderspiels mussten verschoben werden, weil der Jubilar nur sporadisch aufgetaucht ist. Bisweilen ungewohnt schlampige Technik des sonst so feinen Ballstreichlers. Beste Aktion blieb ein gefährlicher Linkschuss, den der polnische Torwart parierte.

    Julian Draxler: Sehr einsatzfreudig. Bissig. Bemüht, dem Offensivspiel etwas Esprit einzuhauchen.

    Thomas Müller: Gäbe es Kilometergeld, Müller hätte einen Extrakoffer gebraucht. Lief viel, arbeitete intensiv nach hinten. Ließ den Müller in sich nur einmal kurz aufblitzen, als er Lukasz Piszczek den Ball an der Auslinie frech stibitzte, Kroos aber den Querpass nicht veredelte.

    Jérôme Boateng: Es machte wieder Boah-Peng! In der 59. Minute vereitelte er das drohende Gegentor mit einer rigorosen Grätsche gegen Lewandwoski in letzter Sekunde. War mehrmals mächtig angefressen von der Leistung seiner Nebenleute.

    Toni Kroos: Der Dirigent brachte das Orchester diesmal nicht richtig in Griff. Immer wieder gewohnt richtige und wichtige Zuspiele, doch die Abnehmer führten die Effizienz nicht weiter. Hätte nach Müllerzuspiel ein Tor erzielen können, vergaß aber ausgerechnet hier seine feine Schusstechnik.

    Mario Götze: Er dribbelte. Er rannte. Er wechselte die Positionen. Aber so richtig fand er seinen Platz nicht im Angriff. Wurde oft mit Flanken gesucht, dabei heißt er doch gar nicht Gomez. Ihm gelang aber trotzdem ein Kopfball.

    André Schürrle: Er schlug im Finale von Rio die wertvollste Flanke der deutschen Fußballgeschichte. Auf dem Weg zu neuen Taten tut sich der Linksangreifer schwer. Kam in der 66. Minute für Götze und passte sich an.

    Mario Gomez: Erster Einsatz in diesem Turnier für den Mittelstürmer. Durfte tatsächlich erleben, dass die Fans einmal seinen Namen noch vor der Einwechslung rufen. Kam in der 72. Minute für Draxler, konnte den Beweis seiner neuen Qualität aber nicht mehr erbringen.
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 6:58:44 PM

    Auf geht's . . .

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 6:02:29 PM

    Mit Hummels...

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  • Beim ersten Spiel der Deutschen gegen die Ukraine lag unser EM-Orakel richtig. Heute spielt das DFB-Team (Die Mannschaft) gegen Polen. Auf wen pickt...äh, tippt "Jacques" dieses Mal?
    Klicken Sie hier, um das Facebook-Video zu sehen
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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/16/2016 5:14:55 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 5:12:26 PM

    Dankeschön für Flüchtlingshelfer
    Schön, dass das geklappt hat. In einer Aktion zusammen mit dem Reiseveranstalter Khayamedia (rechts Sebastian Schmitt) hat diese Redaktion stellvertretend für all die ehrenamtlichen und fleißigen Flüchtlingshelfer in Deutschland zwei von ihnen mit Partner zu einer mehrtägigen Reise nach Paris eingeladen - inklusive Karten für das Spiel gegen Polen. Ausgelost wurden das Ehepaar Schwab (links) aus Aidhausen und das Ehepaar Falger auch Kürnach (Mitte). Mehr über ihre Eindrücke und das Erlebnis im Stadion gibt es morgen auf diesem Kanal.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 5:10:49 PM

    Nicht nur die 96er-Europameister sind heute im Stadion, auch Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann, springt auf der Pressetribüne umher.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 5:07:49 PM

    Der Klappenmann von St. Denis
    Das kleine Video vom Klappenmann muss ich unbedingt noch posten: Der sitzt seit Minuten, ich hoffe nicht seit Tagen, auf diesem Stuhl und betätigt monoton eine Filmklappe. Auf. Zu. Auf. Zu. Auf ihn gerichtet ist eine der Spielfeldkameras und das Bild wird übertragen auf die Monitore auf der Pressetribüne. Ich vermute, die Einstellung wird zum Einstellen des Bildes benötigt. Cooler Job. Er nur ein bisschen mehr lächeln . . .

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 4:56:40 PM

    Mein Arbeitsplatz für die nächsten Stunden. Nach einem kräftigen Regenschauer ist der Himmel über St. Denis jetzt aufgerissen. Zwei Stunden noch bis zum EM-Spiel Deutschland gegen Polen im Stade de France in Paris. In der Stadt ist sehr viel Polizeipräsenz, auch die Kontrollen am Stadioneingang waren sehr genau. Hoffen wir, dass das Sportliche im Fokus bleibt an diesem Abend, an dem die deutsche Elf mit einem Sieg den vorzeitigen Einzug als Gruppenerster perfekt machen kann. So bald die Aufstellungen bekannt sind, melde ich mich wieder.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 4:56:28 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 3:41:11 PM

    Gut am Stadion angekommen. Müssen nur warten, bis der Regen nachlässt...

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 1:58:45 PM

    Ein Nachtrag an dieser Stelle aus Évian. Habe erst jetzt wieder eine stabile Internetverbindung. Ein kleiner Schwenk durch eine Bar in der Rue d'Eglise während der französischen Nationalhymne gestern Abend.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 1:57:37 PM

    Angekommen in Paris. Und was soll ich sagen? Es regnet. Erstmal einchecken im Hotel - und zum Zeitvertreib bis zum Spiel könnte ihr hier eine neue Ausgabe von 'Tor de France' lesen:

    Tor de France

    L'Équipe und das Slipgate

    Die französische Medienlandschaft ist im Besitz eines Juwels, das es so nicht gibt in Deutschland: Eine Tageszeitung, die ausschließlich aus einem Sportteil besteht. Gut, werden jetzt einige Männer hierzulande denken, gibt’s denn noch andere Teile? Ja. Zurück nach Frankreich. Die Zeitung heißt L’Équipe – zu deutsch: Mannschaft. Das Blatt war es auch, das den Begriff „La Mannschaft“ erfunden hat als Synonym für die deutsche Nationalelf. Für die EM haben sich die Macher beim DFB rund um Manager Oliver Bierhoff diese Wortschöpfung als eine Art Kampagnentitel zu Eigen gemacht: „Vive La Mannschaft“ steht auf Postern, auf Teamfahrzeugen, am Medienzentrum in Évian. Den Eigennamen „Die Mannschaft“ heften sich die Werbekönige beim DFB bereits seit 2015 ans Revers. Es handelt sich um einen selbst verliehenen Orden, mit dem sich der Weltmeister als Marke inszenieren möchte. Wir schweifen ab. L’Équipe also. Am Tag nach dem Franzosen-Sieg gegen Albanien (Titelzeile: „Könige der Spannung“) berichtete die Zeitung auf 31 von 55 Seiten über die Europameisterschaft. Ein Fest für Fans. Und das Schöne dabei: Die Texte drehen sich nahezu ausschließlich um den Sport. Es geht nicht um die Röcke der Spielerfrauen. Nicht um Eskapaden. Nicht um Sortierungsarbeiten in männlichen Beinkleidern. Halt! Doch. Eine klitzekleine Meldung brachte auch dieses Blatt über Löws unabsichtliches Handspiel, und das Synonym, das L‘Équipe für die Affäre erfand, taugt allemal dazu, es auch wieder in Deutschland in den Sprachgebrauch zu schaffen: Slipgate.

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/16/2016 1:14:09 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 9:59:08 AM

    Im Zug nach Paris: ich lese gerade die L'Equipe, die ein schönes Wort gefunden hat für Löws Handarbeit am Sonntagabend - Slipgate..,

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/16/2016 8:13:02 AM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 6:56:12 AM
    Auf nach Paris: vor uns liegt eine mehrstündige Bahnfahrt in die Hauptstadt. Von dort geht's dann weiter in diesem Blog. Salut.
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 5:41:34 AM

    In Evian kamen gestern Abend die Autos für eine Oldtimer-Rallye an, die von hier nach Cannes führt. Die Wagen fanden mehr Beachtung als das Spiel der Franzosen gestern.

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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/16/2016 5:39:28 AM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/15/2016 3:21:43 PM

    Ich bin noch das Bild schuldig, das beweist, wie der Arbeitseinsatz gestern ausgegangen ist: Der Teer-Trupp war topmotiviert und hatte die Fläche tatsächlich innerhalb weniger Stunden fertig. Aber es läuft nicht alles rund in unserem Haus am See, aber lest selbst:

    Tor de France

    Das Haus am See

    Manch einer hier mag sich an Radek erinnern, unseren Vermieter in Sopot während der EM 2012 in Polen. Radek war ein Tausendsassa mit einem Schlüsselbund so groß wie eine Melone. Radek kannte alle. Radek besorgte alles. Er sprach viel, nur über seinen Beruf schwieg Radek sich aus. Export. Import. So was halt. Mitte 2013 schrieb er nochmal eine E-Mail aus Sopot an der Ostsee. Ob ich nicht eine Wohnung während der WM in Brasilien bräuchte? Er würde da jemanden kennen, der einen kennt . . . Wäre alles kein Problem für ihn. Wir buchten in Santo André dann doch lieber bei Alex in der Pousada Morena ein. Alex war ein sportlicher Mann von Anfang 50, der uns mit seiner Frau und seinen Töchtern die WM-Wochen über wunderbar bewirtete. Leider starb Alex gut ein knappes Jahr nach der WM. Herzinfarkt.
    In Évian-les-Bains bewohnen wir ein Haus am See, das auf Bildern auf der Homepage aussieht wie eine Acht-Sterne-Villa. In Wirklichkeit, das lehrt uns das Leben, erlischt so mancher Internetstar schnell wie ein Streichholz im Wind. Die vermeintliche Villa entpuppt sich als ein in die Jahre gekommenes Haus. Das Ding hat Charme, ohne Zweifel, und eine genügend große Sofaecke für unsere Fernseh-EM-Lounge ist auch vorhanden. Doch von den Wänden blättert Putz, ein Duschkopf ging kaputt, der Fuß eines Bettes brach ab, die Gasflasche am Grill war leer, der Besteckkasten in der Küche schmutzig. Alles kein Problem für Männer wie uns. Nur die Heizung brachten wir nicht in Gang. Weil sich die Tage hier am Fuße der französischen Alpen allerdings anfühlen wie Rhöner Novembernächte, schrieben wir dem Besitzer Nicoals eine E-Mail. Wir baten um die Anleitung für die Heizungsanlage. Eine Antwort erhielten wir auch: „Ich lasse Euch zusätzliche Decken ins Zimmer legen.“ Vielleicht schreiben wir jetzt Radek.

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  • von Roland Schmitt-Raiser | 6/15/2016 3:10:18 PM
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  • von Achim Muth / MAIN-POST | 6/15/2016 1:03:53 PM

    Der schwierige zweite Schritt

    Vor dem Spiel gegen Polen hat der Bundestrainer das, was er will:
    Die Qual der Wahl


    Der zweite Schritt in ein Turnier hat sich in der Ära Joachim Löw meist als der schwierigste erwiesen. Seit der Bundestrainer in der Verantwortung steht, seit 2006 also, hat die Nationalmannschaft zwar bei sämtlichen fünf Turnieren das Eröffnungsspiel gewonnen – jüngst erst der 2:0-Sieg gegen die Ukraine in Lille. In den zweiten Partien jedoch stotterte der Motor stets gewaltig. Nur bei der EM 2012 in Polen und der Ukraine gab es einen Erfolg: 2:1 gegen Holland. Vier Jahre davor unterlag die DFB-Elf in Österreich dem Team aus Kroatien 1:2. Bei der Weltmeisterschaft 2010 in Südafrika gab es ebenfalls eine Niederlage: 0:1 gegen Serbien. Und 2014 in Brasilien kam die Mannschaft auf ihrem Weg zum Weltmeistertitel gegen Ghana nicht über ein 2:2 hinaus. Allerdings: Folgen hatten die Fehltritte keine, in sämtlichen zitierten Turnieren zog das deutsche Team in die K.o.-Phase ein.
    Rückkehr nach Paris
    Und 2016 in Frankreich? Gegen Polen mit seinem Ausnahmestürmer Robert Lewandowski möchten Löws ambitionierte Auserwählten am Donnerstag (21 Uhr, live im ZDF) den Grundstein für den Gruppensieg legen. Die Nationalmannschaft ist bereits in Paris eingetroffen und läuft morgen in jenem Stadion auf, das seit dem 13. November 2015 auch als Mahnmal steht für eine Terrornacht mit 130 Toten. Den Spielern, die damals bis zum Morgengrauen in den Katakomben des Stade de France verbringen mussten, scheint die Rückkehr nichts mehr auszumachen. Der Fokus richtet sich ausschließlich auf den Fußball, das Erlebte ist verarbeitet. So sagt es Joachim Löw. So sagen es die Spieler. Als Athlet gilt es, zu funktionieren.
    Das Sanatorium Nationalelf
    Nachdem das Sanatorium Nationalmannschaft, so scheint es, wieder seine heilende Wirkung entfaltet hat, steht dem Bundestrainer im Duell mit den Polen sein kompletter Kader zur Verfügung. Ob er allerdings das Risiko eingeht, und den nach einer Wadenverletzung ins Team drängenden Mats Hummels in der Innenverteidigung aufbietet – oder doch Shkodran Mustafi einen weiteren Einsatz ermöglicht, wird Löw wohl erst wieder kurz vor dem Anpfiff bekannt geben.
    Viel Qualität im Mittelfeld
    Eng wird es im Mittelfeld, wo eine Armada an Weltklassespielern eine Vielfalt an taktischen Formationen zulässt. Diese Variabilität ist es auch, die Joachim Löw so schätzt, und mit der er die Gegner überraschen möchte. Sie soll den Weg ebnen zum Erfolg in Frankreich. Das hat der Bundestrainer gerade erst in Ascona verdeutlicht, als der die vergangenen Turniere verdichtete auf Schlagworte. 2006 sei die Mannschaft beflügelt gewesen von den Emotionen einer Heim-WM. 2008 charakterisierte er als den Start einer Entwicklung. 2010 sei durch die Generation um Özil, Müller, Khedira eine neue Spielkultur entstanden. 2014 schließlich sorgten Wille und Teamgeist für den Titel. Diese Europameisterschaft nun ist für Joachim Löw ein Wettbewerb der Möglichkeiten. Er hat die Qual der Wahl vor allem in der Offensive. Thomas Müller, Mario Götze, Mesut Özil – sie alle sind Teile ständiger Rochaden.
    Kroos und der Zaubertrank
    Im defensiven Part dieses Herzstücks stehen mit dem erstarkten Sami Khedira und dem genesenen Bastian Schweinsteiger zwei bewährte Kräfte zur Verfügung, die allein mit ihrer Präsenz Dominanz schaffen können. Julian Draxler hat seine Fähigkeiten schon gezeigt, mit Julian Weigl steht ein Hoffnungsträger parat. Und zu allem Überfluss ist da noch dieser Toni Kroos vom Champions-League-Sieger Real Madrid, der derzeit so selbstbewusst aufspielt, als habe ihm der Druide Miraculix höchstpersönlich eine Flasche Zaubertrank eingeflößt.
    Der Auftakt gegen die Ukraine war vielversprechend, aber er gab keinen Anlass für Zufriedenheit. „Wir sind noch nicht da, wo wir hinmüssen, wenn wir das Turnier gewinnen wollen.“ Was Toni Kroos damit sagen wollte: Es war ein erster Schritt. Der zweite muss, er sollte besser werden.

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