Militärputsch in der Türkei

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 9:50:33 AM

    Die Zahl der Toten bei dem Putschversuch in der Türkei ist nach Regierungsangaben auf insgesamt 265 gestiegen. Bei 161 der Toten handelt es sich laut Ministerpräsident Binali Yildirim um regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten. Hinzu kommen 104 getötete Putschisten.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 10:03:20 AM

    Die Putschisten hatten in der Nacht versucht, Twitter, Facebook, und YouTube zu blockieren. Allerdings konnte sich Präsident Erdogan mit seinem iPhone via Facetime beim TV-Sender CNN Türk melden und seine Anhänger zum Widerstand aufrufen.



  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 10:18:19 AM

    Zypern zeigt sich erleichtert über das Scheitern des Militärputsches in der Türkei. Hintergrund ist die jüngste erfolgreiche Annäherung führender zyprischer Politiker, um gemeinsam eine Lösung für die geteilte Insel zu finden, heißt es aus zyprischen Regierungskreisen.

    «Wenn das türkische Militär übernommen hätte, stünde man in Sachen Zypern-Lösung wieder bei Null, weil das Militär die Insel traditionell als zwei getrennte Staaten sieht und nicht an einer friedlichen Lösung des Konflikts interessiert ist, wie sie derzeit angepeilt wird», so ein griechischer Journalist und Zypern-Kenner im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 10:20:50 AM

    UPDATE Acht türkische Soldaten haben sich mit einem Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort politisches Asyl beantragt. Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu fordert umgehend die Auslieferung der Soldaten, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren. 

    «Wir haben die Auslieferung der acht verräterischen per Hubschrauber nach Griechenland geflüchteten Soldanten verlangt», schreibt er auf Twitter. Die acht Insassen wurden bei ihrer Ankunft von der Polizei festgenommen. Sie hätten sofort politisches Asyl beantragt, berichtet die griechische Zeitung «To Proto Thema» unter Berufung auf Polizeiquellen.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 10:47:03 AM

    Der Einsatz gegen die Putschisten in der Türkei ist Regierungskreisen zufolge weitgehend abgeschlossen. Vereinzelte Operationen würden aber noch einige Stunden andauern, erklärt der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan, nach Angaben aus den Regierungskreisen.


    Spuren des versuchten Putsches: Ein Militärpanzer auf der Bosporus-Brücke in Istanbul. Foto: STR/epa/dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 11:00:59 AM

    Der gescheiterte Putschversuch wird Präsident Recep Tayyip Erdogan nach Einschätzung eines Experten stärken. Erdogan sehe sich jetzt bestätigt in der «Paranoia», dass es Mächte im Staat gebe, die ihn und die Regierung stürzen wollten, meint der Leiter des Istanbuler Büros der Heinrich-Böll-Stiftung, Kristian Brakel: «Das ist natürlich jetzt Wasser auf die Mühlen all seiner Anhänger, die das auch immer schon geglaubt haben.» Zudem mache es für viele, die noch nicht so ganz überzeugt waren von dem geplanten Präsidialsystem samt Verfassungsänderung, glaubhafter, dass man einen starken Herrscher an der Spitze brauche.


    Solidarität mit dem Präsidenten auch hierzulande: Erdogan-Anhänger vor dem Türkischen Konsulat in Stuttgart. Foto: Andreas Rosar, dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 11:08:34 AM
    Im Sinne von 'alles hat auch etwas Gutes' ist dieser Aufstand, diese Bewegung letztendlich ein Segen Gottes. Warum ein Segen Gottes?  Diese Bewegung ist eine, die als Anlass dazu dienen wird, dass unsere Streitkräfte, die vollkommen rein sein müssen, gesäubert werden.
    • Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan zum Putschversuch.
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 11:20:58 AM

    Die Türkische Gemeinde in Deutschland bezeichnet den Verlauf des Putsches in der Türkei als «Zeichen einer demokratischen Reife» der Bevölkerung bezeichnet. «Es ist einmalig in der türkischen Geschichte, dass man einen Putschversuch verhindert. Bisher waren die Putschisten immer erfolgreich», erklärt der Bundesvorsitzende der Gemeinde, Gökay Sofuoglu, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur

    «Erst einmal zeigt es, dass die türkische Gesellschaft eine Sensibilität gewonnen hat, eine demokratische Sensibilität gegen Putschversuche», meint Sofuoglu. Vor allem sei es wichtig gewesen, dass alle Parteien sich sehr schnell gegen diesen Putschversuch gestellt hätten und das Volk auf die Straße gegangen sei. Das könne nun einen Impuls geben für ein friedliches Zusammenleben in dem Land - und für den «Aufbau einer demokratischen Türkei».

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 11:31:33 AM

    Das türkische Parlament versammelt sich um 17.00 Uhr (16.00 MEZ) zu einer außerordentlichen Sitzung, wie die türkische Nachrichtenagentur Anadolu meldet.

     
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 11:47:50 AM

    In der Nacht wurde auch das türkische Parlament in Ankara von den Putschisten beschossen und bombardiert. Zur Stunde laufen in um das Gebäude Aufräumarbeiten. 

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 12:02:34 PM

    Weitere Reaktionen: Italiens Regierungschef Matteo Renzi zeigt sich erleichtert über das Scheitern des Putschversuches. «Die Sorge über eine außer Kontrolle geratene Situation in einem Nato-Partnerland wie der Türkei weicht dem Sieg der Stabilität und der demokratischen Institutionen», so Renzi im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Ansa. «Freiheit und Demokratie sind immer der Königsweg, den es zu verfolgen und zu schützen gilt», erklärt er. 

    Italiens Außenminister Paolo Gentiloni hat sich in einem Telefonat mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu über die Situation informiert. Er drückt ihm seine «Zufriedenheit über den Sieg der Volksbewegungen und die Verteidigung der Institutionen» aus, wie das Außenministerium in Rom mitteilte.


    «Sieg der Stabilität»: Matteo Renzi. Foto: Claudio Peri, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 12:04:16 PM

    Bundeskanzlerin Angela Merkel will heute um 15.30 Uhr eine Erklärung zu den Ereignissen in der Türkei abgeben.


    Foto: Damir Sagolj, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 12:14:32 PM

    Auch Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg äußert sich zu den Vorkommnissen in der Türkei. Er lobt den Widerstand der türkischen Bevölkerung und Politik gegen versuchten Militärputsch und den Einsatz für die Demokratie. «Ich begrüße die starke Unterstützung, die die Menschen und alle politischen Parteien für die Demokratie und die demokratisch gewählte Regierung der Türkei gezeigt haben», schreibt er bei Twitter.

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 12:15:12 PM

    Einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge sind 2745 Richter abgesetzt worden. Zudem seien fünf Mitglieder des Hohen Rats der Richter und Staatsanwälte in Ankara vom Dienst entbunden, heißt. Gegen sie liefen Ermittlungen.

    Das türkische Parlament hatte erst kürzlich für eine umstrittene Justizreform gestimmt, die zwei der höchsten Gerichte des Landes betrifft. Kritiker werfen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor, die Justiz immer weiter unter seine Kontrolle bringen zu wollen.

     

     
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 12:42:46 PM

    Das Auswärtige Amt rät Deutschen in Ankara und Istanbul trotz Beruhigung der Lage weiter zu «äußerster Vorsicht». Dies gelte «bis zur vollständigen Klärung der Lage», teilt das Amt mit. Vorsichtig sollten Reisende vor allem auf öffentlichen Plätzen und in Menschenansammlungen sein. Im Zweifelsfall werde geraten, in sichere Wohnungen und Hotels zurückzukehren. Aus anderen Teilen des Landes, insbesondere von der Mittelmeerküste, würden keine besonderen Ereignisse gemeldet.


    Das öffentliche Leben, wie hier in Istanbul, normalisiert sich. Foto: Sedat Suna, epa/dpa
  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 1:04:45 PM

    Um den Überblick nicht zu verlieren - was wir bisher nicht wissen: 

    Wer steckt dahinter? Erdogan zufolge nur eine Minderheit der Streitkräfte, die Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen sind.

    ▪ Was wollen die Putschisten? Unter anderem, dass die verfassungsmäßige Ordnung, die Demokratie und die Menschenrechte wiederhergestellt werden. Darüber hinaus gibt es öffentlich keine Agenda oder politische Ziele.

    Was bedeutet das für Urlauber? In Urlaubsregionen sei die Lage ruhig, so ein Sprecher des Veranstalters Thomas Cook - er habe zumindest keine gegenteiligen Informationen.

    Wie geht es weiter? Erdogans Kritiker befürchten, er könne den Putsch nutzen, um Freiheitsrechte und die Presse weiter einzuschränken. Für das Militär hat er Vergeltung angekündigt.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 1:13:39 PM

    Zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats in der Hauptstadt Ankara sind ebenfalls festgenommen worden. Ihnen werde Unterstützung des Putsches vorgeworfen, meldet Anadolu . Ob es sich bei den Festgenommenen um Richter oder Staatsanwälte handelt, ist noch unklar. Der Staatsrat ist eines der obersten Gerichte in der Türkei. 

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 1:17:02 PM

    Die acht türkischen Soldaten, die mit einem Militärhubschrauber nach Griechenland geflüchtet sind und dort politisches Asyl beantragt haben, stellen Athen vor ein diplomatisches Dilemma. Ihre Anträge müssten nach den Regeln des internationalen Rechts bearbeitet werden, erklärt die griechische Regierungssprecherin Olga Gerovasili im Gespräch mit dem staatlichen Fernsehsender ERT. Andererseits hätten die Männer, die offenbar am Putschversuch beteiligt waren, gegen die türkische Verfassung verstoßen.

    In einem ersten Schritt solle der Hubschrauber, mit dem die Soldaten in Alexandroupolis notgelandet waren, in die Türkei zurücktransportiert werden, so Gerovasili. Was die Insassen beträfe, würden alle diplomatischen Wege genutzt, um sich mit der Türkei auszutauschen.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 1:25:16 PM

    Die Lufthansa streicht aus Sicherheitsgründen alle Istanbul-Flüge von und nach Frankfurt. Außerdem werden alle Türkei-Flüge von und nach München abgesagt. An den für den Nachmittag geplanten Verbindungen zwischen Frankfurt und Antalya sowie Frankfurt und Bodrum hielt die Fluglinie dagegen nach eigenen Angaben fest. Zu Türkei-Flügen am morgigen Sonntag gibt es zunächst keine Auskunft.

    Die Lufthansa rät allen Passagieren, sich möglichst frühzeitig mit der Airline oder ihren Reiseveranstaltern in Verbindung zu setzen und sich über die aktuelle Lage zu informieren.


    Foto: Frank Rumpenhorst, dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 1:28:48 PM
    Die türkische Bevölkerung hat ihre große Reife und ihren Mut bewiesen, indem sie sich für den Respekt der Institutionen einsetzte.
    • Der französische Außenminister Jean-Marc Ayrault zum Putschversuch.
  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 1:37:22 PM

    Auch heute gehen unzählige Putsch-Gegner auf die Straßen der Millionen-Metropole Istanbul. «Das Volk ist hier, wo sind die Randalierer?», rufen sie und marschieren Richtung  Partei-Zentrale von Präsident Erdogans AKP. 

     
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 1:47:59 PM

    Wie bereits angekündigt, Bundeskanzlerin Angela Merkel gibt zur Stunde eine Erklärung im Kanzleramt ab. Die CDU-Chefin verurteilt den Putschversuch «aufs Schärfste». «Es ist tragisch, dass so viele Menschen diesen Putschversuch mit dem Leben bezahlt haben. Das Blutvergießen in der Türkei muss jetzt ein Ende haben», erklärt Merkel. «Es ist und bleibt das Recht des Volkes, in freien Wahlen zu bestimmen, wer es regiert. (...) Panzer auf den Straßen und Luftangriffe gegen die eigene Bevölkerung sind Unrecht», so die CDU-Chefin.


    Foto: Kay Nietfeld, dpa
  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 2:13:07 PM

    Das türkische Parlament hat mit seiner außerordentlichen Sitzung begonnen. Parlamentspräsident İsmail Kahraman verlas zu Beginn eine gemeinsame Erklärung aller Parteien. Bei der Sondersitzung verharrten die Abgeordneten in einem Moment der Stille, bevor die Nationalhymne abgespielt wurde. Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim betrat unter dem Applaus der Abgeordneten den Sitzungssaal.


    TBMM - das türkische Parlament in Ankara.
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 2:27:24 PM

    Draußen vor dem Parlament habe sich einige Hundert Menschen versammelt.



  • von Desk via dpa | 7/16/2016 2:27:45 PM
    Die türkischen Behörden haben nach offiziellen US-Angaben den Zugang zurLuftwaffenbasis Incirlik abgeriegelt. Die lokalen Behörden erlauben keinen Zugang zur Basis, teilt das US-Konsulat in einer Nachricht an amerikanische Staatsbürger mit. «Auch der Strom dort ist abgestellt worden. Bitte meiden Sie die Luftwaffenbasis, bis der normale Operationsbetrieb wiederhergestellt ist.» Auf der Luftwaffenbasis Incirlik ist auch die Bundeswehr mit Aufklärungs-Tornadojets stationiert
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 2:34:38 PM

    Bulgarien verschickt vorsorglich 230 Soldaten an die türkische Grenze. Der Schutz der bulgarischen EU-Außengrenze zur Türkei sei verstärkt worden, obwohl es keine Anzeichen für einen möglichen Flüchtlingszustrom gegeben habe. Wie der bulgarische Regierungschef Bojko Borissow nach einem Treffen mit dem türkischen Botschafter in Sofia, Süleyman Gökçe, weiter erklärt, wollen die Türkei und Bulgarien zusammenarbeiten, sollte der Migrationsdruck an der gemeinsamen Grenze steigen.

    Die Türkei habe alle drei Grenzübergänge zu Bulgarien wieder geöffnet, erklärt Borissow. Die Grenzpunkte waren während des Putschversuchs auf der türkischen Seite geschlossen worden.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 2:54:16 PM

    Der Chef des Geheimdienstes MIT, Hakan Fidan, erklärt, der Einsatz gegen die Putschisten sei weitgehend abgeschlossen, doch vereinzelte Operationen dauerten noch an. Derweil ruft das Amt des Staatspräsidenten die Bevölkerung bei Twitter auf, auch heute Abend die Straßen aufzusuchen - «ein neue Bewegung könnte jederzeit aufleben».



  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:00:30 PM

    Die USA würden nach den Worten von US-Außenminister John Kerry einen türkischen Antrag auf Auslieferung des Predigers Fethullah Gülen prüfen. Bisher sei ein solches Ersuchen jedoch nicht eingegangen, zitiert die «Washington Post» den Politiker. 

    Die Türkei macht die Gülen-Bewegung für den Putschversuch verantwortlich. Gülen, nach einem schweren Zerwürfnis 2013 einer von Recep Tayyip Erdogans Erzfeinden, lebt in den USA. Wie Kerry erklärt, sei bisher ein solches Ersuchen jedoch nicht eingegangen. Die USA seien dazu bereit, Ermittlungen zu unterstützen, um herauszufinden, wer den Putschversuch in der Türkei angezettelt hat und woher die Unterstützung kam.


    US-Außenminister John Kerry. Foto: Ralf Fuz, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:09:43 PM

    Während des Putschversuchs sollen nach unbestätigten Berichten womöglich Soldaten misshandelt oder sogar gelyncht worden sein. Auf einem Video, das offenbar auf einer der Bosporus-Brücken in Istanbul aufgenommen wurde, ist ein Soldat zu sehen, der blutüberströmt auf dem Boden liegt. Derjenige, der das Video aufnimmt, sagt auf Türkisch: «Vier haben wir umgebracht, jetzt sind wir beim fünften. Hund!» Schüsse sind zu hören. Andere rufen «Gott ist groß», «Ungläubiger!» und «Krepier!». Mehrere treten auf den leblos wirkenden Körper ein. Das Video wurde via Twitter verbreitet.

    Die dem Militär nahestehende Zeitung «Sözcü» berichtet, ein aufgebrachter Mob habe einem Soldaten in Istanbul die Kehle durchgeschnitten. Regierungskreise bestätigten den Bericht zunächst nicht.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:22:10 PM

    Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International warnt vor einer Wiedereinführung der Todesstrafe. «Die Türkei hat sich vereint, um die Rechte gegen eine vermeintliche Junta zu verteidigen», teilt der Türkei-Experte Andrew Gardner auf Twitter mit. Eine Wiedereinführung der Todesstrafe würde diesen «Sieg» zunichte machen. Unterstützer von Präsident Recep Tayyip Erdogan haben von Teilen des Militärs in Sprechchören die Todesstrafe für Umstürzler gefordert.

    Ministerpräsident Binali Yildirim sagt auf die Frage eines Journalisten, ob die Todesstrafe wiedereingeführt werden solle, diese sei aus dem türkischen Gesetz gestrichen worden. Es werde jedoch über «zusätzliche Maßnahmen» diskutiert, die solche «Verrücktheiten» in Zukunft verhindern sollen. Aus der Regierungspartei AKP waren Forderungen laut geworden, über die Todesstrafe für Putschisten zu diskutieren


    Generalstabschef Hulusi Akar (l.), Ministerpräsident Binali Yildirim (m.) und Innenminister Efkan Ala während einer Pressekonferenz. Foto: Str/epa/dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:24:42 PM

    UPDATE Der Putschversuch hat nach Bundeswehrangaben keine Folgen für die 240 deutschen Soldaten auf der Luftwaffenbasis Incirlik. Ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr widerspricht auf dpa-Anfrage US-Angaben, wonach die türkischen Behörden den Zugang zu der Basis abgeriegelt hätten. 


    Die Soldaten könnten mit Ausweiskontrolle weiterhin die Basis verlassen und wieder hineingehen, es sei aber die höchste Sicherheitsstufe ausgerufen worden, so der Sprecher im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Unseren Soldaten geht es grundsätzlich gut. Alle sind wohl auf». Von dem Putsch hätten sie nur durch die Medien erfahren.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:27:44 PM

    Der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim dankt der Opposition und den türkischen Bürgern für ihre Unterstützung. Er erklärt den 15. Juli - den Tag des gescheiterten Putsches - zum künftigen «Demokratie-Festtag». Yildirim weiter: «Ich bedanke mich einmal mehr bei den Führern unserer Parteien, den Fraktionschefs und allen Abgeordneten.» Er betont zudem: «Ich danke jedem türkischen Bürger, der auf die Straße gegangen ist, um die Demokratie zu verteidigen. Ich bin so stolz, Teil dieser Nation zu sein.»


    Flagge zeigen: Jubelnde Menschen am Flughafen Atatürk in Istanbul. Foto: Sedat Suna, epa/dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 3:32:16 PM

    Die acht türkischen Soldaten, die mit einem Militärhubschrauber nach Griechenland geflüchtet sind und dort politisches Asyl beantragt haben, sollen nach Angaben vom türkischen Außenminister in kürzester Zeit an die Türkei ausgeliefert werden. Das gibt Mevlüt Cavusoglu  so eben auf Twitter bekannt. 



  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 4:00:19 PM

    Blick nach Paris. Auch hier haben sich türkische Bürger auf die Straßen begeben, um gegen den Putschversuch zu demonstrieren. «Ich liebe mein Land, ich liebe mein Volk. Ich liebe meine Flagge. Aus diesem Grund bin ich hier und werde auch immer hier sein», sagt ein Mann im Interview mit der türkischen Nachrichtenagentur Anadolu.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 4:04:22 PM

    «Bleib aufrecht - das Volk ist mit dir»: Auch in Berlin demonsrierten heute Menschen vor dem Botschaftsgebäude der Türkei. Nach Angaben der Polizei waren 500 Protestler.


    Foto: Paul Zinken, dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 4:13:36 PM

    Weitere Festnahme: Türkische Medien melden, dass Adem Huduti (Chef der 2. Armee im Südosten) ebenfalls verhaftet wurde. Damit ist Huduti der hochrangigste Militär, der bisher festgenommen wurde.



  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 4:22:01 PM

    Mahnende Worte von Bundespräsident Joachim Gauck Richtung Ankara: «Meine Erwartung an die türkische Regierung besteht darin, dass bei der Aufarbeitung dieses ganzen Geschehens die rechtsstaatlichen und demokratischen Grundsätze gewahrt werden», erklärt Gauck am Rande seines Staatsbesuchs in Uruguay. «Wir haben alle etwas davon in Europa, wenn die Demokratie nicht beschädigt wird - von keiner Seite.»


    Joachim Gauck steht Journalisten Rede und Antwort: Foto: Wolfgang Kumm, dpa
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 4:24:08 PM

    Bundesjustizminister Heiko Maas spricht sich gegen Rache und Willkür infolge des Putschversuches aus. «Rechtsstaaten müssen sich besonders in der Bedrohung beweisen», wird er in einer Mitteilung zitiert. «Rache und Willkür werden nicht zu einer Befriedung der Lage nach dem Putschversuch beitragen.» Der Schutz der Rechte von Beschuldigten und Verdächtigen gehöre zu den Grundpfeilern eines demokratischen Rechtsstaats.

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 4:28:10 PM

    Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu genießt derweil das Bad in der Menge. «Hand in Hand mit dem Volk. Wir sind im 'Parlament des Volkes'», schreibt er auf Twitter und veröffentlicht dazu ein Video. 

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 4:38:24 PM

    Die türkischen Behörden haben einen weiteren Richter festgenommen. Alparslan Altan, Richter des Verfassungsgerichts in Ankara befinde sich in Gewahrsam, meldet der Sender CNN Türk, ohne weitere Details zu nennen. Bereits am Nachmittag wurden mehr als 2500 Richter entlassen. Zusätzlich sind mindestens zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats - eines der obersten Gerichte in der Türkei - festgenommen worden. Ihnen wird Unterstützung des Putschversuchs vorgeworfen.

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 5:02:14 PM

    Der türkische Verteidigungsminister Fikri Işık warnt vor der Annahme, dass die Putsch-Gefahr vollkommen gebannt sei. «Momentan ist der Putsch vereitelt worden», zitiert ihn die türkische Nachrichtenagentur DHA. «Derzeit gibt es kein Gebiet, der nicht unter unserer Kontrolle ist.»


    Foto: Viginia Mayo, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 5:15:53 PM

    Der Chef der Richtergewerkschaft Yargiclar, Mustafa Karadag, wirft der türkischen Führung vor, mit dem Vorgehen gegen die Justiz auch Kritiker ausschalten zu wollen. Es würden nicht nur mutmaßliche Unterstützer des Putsches, sondern auch Kritiker von Präsident Recep Tayyip Erdogan festgenommen, die mit all dem nichts zu tun hätten, sagt Karadag im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. 

    Offiziellen Angaben zufolge wurden in einer ersten Aktion mehr als 2800 Putschisten aus den Reihen der Streitkräfte, zehn Mitglieder des türkischen Staatsrats - eines der obersten Gerichte - festgenommen.

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 5:35:13 PM

    US-Präsident Barack Obama schaltet sich erneut ein und ruft alle Parteien in der Türkei zu «gesetzmäßigem Handeln» auf. Aktionen, die zu weiterer Gewalt oder Instabilität führen würden, müssten vermieden werden, betont er nach Angaben des Weißen Hauses in einer Telekonferenz mit seinem Sicherheitsteam und außenpolitischen Beratern. 

    Obama hatte sie anberaumt, um sich über die Entwicklung in der Türkei nach dem Umsturzversuch zu informieren. Der Präsident habe bei dieser Gelegenheit seine «unerschütterliche Unterstützung für die demokratisch gewählte zivile türkische Regierung» geäußert, berichtet das Weiße Haus. 


    Ruft Ankara zu «gesetzmäßigem Handeln auf»: Barack Obama. Foto: Pete Souza, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 5:51:11 PM

    Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan verlangt von den USA die Auslieferung oder Festnahme des Predigers Fethullah Gülen. Erdogan wendet sich mit seiner Forderung bei einer Ansprache vor Anhängern in Istanbul direkt an Barack Obama. Der US-Präsident müsse handeln, wenn die USA und die Türkei tatsächlich strategische Partner seien, erklärt er. «Wir haben euch bisher jeden Terroristen übergeben, den ihr von uns verlangt habt.» 

     
    Erdogan macht seinen einstigen Verbündeten und heutigen Erzfeind Gülen für den Putschversuch verantwortlich. Der im US-Exil lebende islamische Prediger weist den Vorwurf vehement zurück und verurteilt den Putschversuch von Teilen des Militärs auf Schärfste.

     


    Foto: Foto: Türkisches Präsidentenamt, epa/dpa/Archiv
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 5:56:04 PM

    Die Putschisten haben nach Angaben aus Regierungskreisen bereits mehr als 100 Posten in der geplanten Militärjunta an Mitstreiter vergeben gehabt. «Die Listen umfassten mehr als 100 Namen», so ein Regierungsmitarbeiter, der anonym bleiben will. «Sie hätten Militärgouverneure für jeden Distrikt ernannt und die Chefs aller staatlichen Stellen ersetzt.» 

    Das unmittelbare Ziel der Putschisten sei gewesen, strategisch wichtige Stellen wie die Bosporusbrücke oder den Taksim-Platz in Istanbul unter Kontrolle zu bringen. «In Ankara haben sie versucht, den Präsidentenpalast, das Amt des Ministerpräsidenten, den Geheimdienst MIT und das Parlament zu stürmen.» Hätten die Umstürzler Erfolg gehabt, hätte es nach der im Staatssender TRT verlesenen Putsch-Erklärung eine Mediensperre gegeben. Kampfflugzeuge wären im Tiefflug über Wohngebiete geflogen, um Anwohner in den Häusern zu halten. 

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 6:10:50 PM

    Nach der Festnahme des Verfassungsrichters Alparslan Altan ist nun nach Angaben aus Regierungskreisen ein zweites Mitglied des Verfassungsgerichts in Ankara festgenommen worden. Der Richter Erdal Tezcan befinde sich in Gewahrsam, heißt es. Er werde beschuldigt, am Putschversuch beteiligt gewesen zu sein.

  • von dpa-live Desk via null | 7/16/2016 6:24:48 PM

     

    Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen hat sich nach dem Putschversuch in der Türkei mit Blick auf die dort stationierten Bundeswehrsoldaten erleichtert gezeigt. Das Wichtigste sei, dass die Soldatinnen und Soldaten in Incirlik unversehrt seien, erklärt die CDU-Politikerin. Sie hätten die Aktivitäten gespürt, seien aber unbeschadet. Nun müsse man sehen, wie die Reaktion der Regierung Erdogan sei, sagt von der Leyen. 

    Auf der Luftwaffenbasis Incirlik sind 240 deutsche Soldaten stationiert. Die Bundeswehr beteiligt sich von Incirlik aus mit Tornado-Kampfflugzeugen und einem Tankflugzeug am Kampf gegen den IS.

     

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 7:01:56 PM

    Nachtrag zur Rede von Präsident Recep Tayyip Erdogan in Istanbul. Nach seiner Auffassung könnte über die Einführung der Todesstrafe im Parlament gesprochen werden. Als Reaktion auf entsprechende Forderungen seiner Anhänger: «Dass jede Forderung bewertet, besprochen und diskutiert wird, ist in einem demokratischen Land ein Recht». So etwas werde jedoch unter dem Dach des Parlaments bewertet, so Erdogan. «Es ist auch nicht nötig, sich dafür von irgendwoher eine Erlaubnis einzuholen.» 

  • von Desk via dpa | 7/16/2016 7:05:26 PM
    Der Grünen-Politiker Omnid Nouripour zeigt sich sehr besorgt über die Äußerungen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zur Todesstrafe. «Wir reden alle über die Absetzungen im Militär, aber am meisten Angst macht mir, dass in der Türkei nun wieder Rufe nach der Todesstrafe laut wurden. Das ist beängstigend», so Nouripour im Gespräch mit der «Huffington Post Deutschland».  Er ruft die Bundesregierung dazu auf, klare Worte gegenüber Erdogan zu finden. «Wir dürfen Erdogan nicht machen lassen, was er will. Wir müssen jetzt genauer hingucken und nicht alles unkommentiert lassen.»
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 7:09:00 PM

    Die Menschen strömen auf die Straßen. So sieht auf der İstiklal Caddesi (Unabhängigkeitsstraße) in Istanbul aus.

  • von Desk via dpa | 7/16/2016 7:18:06 PM
    Auch auf dem Taksim-Platz in Istanbul haben etwa tausend Anhänger des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan versammelt und feiern den Sieg über die Putschisten. Viele schwenken die türkische Flagge und rufen «Gott ist groß», berichtet eine dpa-Reporterin. Seit den Protesten in der Türkei im Jahr 2013 sindregierungskritische Demonstrationen auf dem Taksim-Platz grundsätzlich verboten.
  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 7:29:25 PM

    Was passiert ist - kurz & kompakt das Wichtigste zum gescheiterten Putschversuch:

    ▪ Beim versuchten Umsturz sind mindestens 265 Menschen getötet (161 regierungstreue Sicherheitskräfte oder Zivilisten, 104 getötete Putschisten) und mehr als 1000 verletzt worden.

    ▪ Sowohl die regierende islamisch-konservative Partei AKP als auch die drei im Parlament vertretenen Oppositionsparteien - CHP, MHP und die kurdische HDP - stellen sich gegen den Putschversuch.

    ▪ Fast 3000 Putschisten wurden aus den Reihen der Streitkräfte festgenommen. Zudem kamen auch Mitglieder des türkischen Staatsrats - eines der obersten Gerichte des Landes - in Gewahrsam. Mehr als 2700 Richter wurden abgesetzt. 

    ▪ Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan fordert von den USA die Auslieferung des im US-Exil lebenden islamischen Predigers Fethullah Gülen. Erdogan vermutet diesen hinter den Putschplänen. Gülen bestreitet die Vorwürfe. 

  • von dpa-live Desk via dpa | 7/16/2016 7:45:56 PM

    Liebe Leserinnen und Leser, der LiveTicker mit den aktuellen Entwicklungen zum gescheiterten Putschversuch in der Türkei endet an dieser Stelle. Vielen Dank fürs Dabeisein! Kommen Sie gut durch den Abend.

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