"Heimat hat Zukunft": So lebt es sich in Wildflecken

Seit Generationen vom Militär geprägt, erlebte die Gemeinde im Landkreis Bad Kissingen Mitte der 1990er Jahre durch den Abzug der US-Truppen einen Schicksalsschlag. Doch das Leben musste für die heute 3000 Einwohner weitergehen - und das tat es. Wir zeigen, dass die herrliche Rhöner Landschaft nicht das Einzige ist, was Heimat in Wildflecken ausmacht.

- Nutzen Sie die Kommentarfunktion in diesem Blog und diskutieren Sie über Wildflecken.
- Wo Wildflecken liegt

- Weitere Gemeinden zu "Heimat hat Zukunft": Unser großes Extra
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 6:00:29 AM


    Letzte Ausgabe der amerikanischen Zeitung Hilltop Herald 1994 (Archiv Militärmuseum)

    Militärmuseum
    auf dem Truppenübungsplatz

    Das Jahr 1994 bedeutete nicht nur den Abzug der Amerikaner aus Wildflecken, sondern auch das Ende für den Hilltop Herald, eine amerikanischen Zeitung, die wöchentlich auf dem Truppenübungsplatz veröffentlich wurde. Die letzte Ausgabe trägt die Titel "Die letzte Einheit in Wildflecken" und "15. April 1994: Ein Tag für die Geschichtsbücher". 

    Letzte Ausgabe der amerikanischen Zeitung Hilltop Herald 1994 (Foto: Archiv Militärmuseum)



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 10:48:02 AM

    Eduard Eisfeld aus Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Ich lebe gerne in Wildflecken weil...


    Eduard Eisfeld aus Wildflecken findet an Wildflecken die Rhön schön. Der Diplomingenieur aus Kasachstan ist mit der Entwicklung des Marktes unzufrieden. Seiner Meinung nach haben sich andere Dörfer wie Bischofsheim besser entwickelt. Wildflecken habe sich hingegen durch den Abzug der Amerikaner rückentwickelt. Die Schuld tragen für ihn die Vetreter im Rathaus.

    Unser Markt wird verlassen. Im Jahre 1992 war das hier ein beweglicher Ort. Es gab viele junge Leute und die Kneipen waren voll. Aber jetzt gehen die Jugendlichen alle weg, denn es gibt hier kaum noch Perspektiven.



    Kommentar schreiben ()
  • von Wolfgang Dünnebier / MAIN-POST | 11/18/2015 10:48:34 AM






    Robert Gridley leistete in Wildflecken Militärdienst. Foto Sebastian Vogt

    US-Amerikaner: Bis heute verbunden mit Wildflecken


    Rau und unwirtlich empfinden viele die Rhön. Andere haben sie in ihr Herz geschlossen. Unter anderem gibt es eine Fanseite im sozialen Netzwerk Facebook. Etliche amerikanische Soldaten sind nach der Auflösung des US-Standortes in Deutschland wohnen geblieben. Darunter Robert Gridley. Der US-Amerikaner war einer der letzten Angestellten, die bei der Schließung des Übungsplatzes am 19. Juni 1994 dabei waren. Heute ist Gridley Rentner und lebt mit seiner Frau in Münnerstadt.

    1968 kam Gridley nach Wildflecken, damals noch als Soldat im 2nd Battalion 15th Infantry. "Ich war Sanitäter und habe in der Klinik in Wildflecken gearbeitet", erzählt der 65-Jährige. 1970 endete seine Dienstzeit und Gridley verließ die US-Armee. Aber nur als Soldat, denn als ziviler Angestellter blieb er weiterhin in Deutschland und wurde an verschieden Standorten der Amerikaner eingesetzt.

    Wie es der Zufall so wollte, kam Gridley aber zurück nach Wildflecken. "Ich habe von 1986 bis 1994 in der Kaserne im amerikanischen Freizeitzentrum gearbeitet", berichtet der Rentner.

    Er half bei der Organisation von Tanzveranstaltungen für Soldaten, zivile Mitarbeiter und deren Familien. Aber auch Musik- und Theaterabende gab es damals am Standort. Auch die Planung von Ausflügen nach Polen und Tschechien fielen in seinen Verantwortungsbereich.

    Am 19.
    Juni 1994 dann das Ende mit einem feierlichen Akt: "Die amerikanische Fahne wurde niedergeholt und dem damaligen Bürgermeister übergeben", erinnert sich Gridley. Er war einer von ungefähr 25 Amerikanern, die an diesem letzten Festakt teilnahmen.

    "Danach haben wir dann die Türen zugemacht", erzählt er weiter. Doch bevor es zur Schließung kam, musste geklärt werden, was mit dem ganzen Gebiet und Inventar geschieht. "Schreibtische und Büromaterial wurden verbrannt, weil sie nicht verkauft werden durften", erinnert sich Gridley.

    Wenn etwas verkauft wurde, durften zuerst die anderen Standorte in Deutschland zuschlagen.
    Als zweites durften Berechtigte mit einer ID-Karte Mobiliar übernehmen. "Danach konnten erst die Deutschen kaufen. Was übrig blieb, musste auf dem Übungsplatz verbrannt werden", erzählt Gridley. Den Truppenübungsplatz übernahm die Bundeswehr und zog somit von Oberwildflecken nach Wildflecken um. Die Kaserne hieß nun Rhön-Kaserne.

    Das Areal weist eine lange Geschichte auf. Bereits 1936 entschied sich das Oberkommando der Wehrmacht, einen Übungsplatz für das deutsche IX. Armeekorps in der Rhön zu errichten. Am 8. Februar 1938 wurde der Truppenübungsplatz durch General Dollmann feierlich eingeweiht.

    Im April 1951 übernahm die US Armee das Lager und den Übungsplatz in Wildflecken. Fortan galt die "Wildflecken Training Area" als eine der wichtigsten Ausbildungsorte der US-Armee und anderer NATO-Armeen. 4,5 Millionen Soldaten haben bis 1994 ihr militärisches Können dort erlernt und vertieft, schreibt Heinz Leitsch auf seiner Website zur Geschichte des Truppenübungsplatzes.

    Auch an den Skilift erinnert Gridley sich genau: "Wir waren das einzige militärische Gebiet mit einem eigenen Skilift und einem eigenen Skigebiet." Vor dem Abzug wurde auch dieser verkauft, und zwar für etwa 200 Mark - unfassbar billig. Robert Gridley erinnert sich mit Wehmut an seine Zeit in Wildflecken: "Wir waren dort eine ganz große Familie." Außerdem leben auch heute noch einige seiner damaligen Freunde und Arbeitskollegen in Deutschland. Zu einigen hat er weiterhin ein freundschaftliches Verhältnis. "Wir treffen uns noch ein oder zwei Mal im Jahr", erzählt Gridley. Erstaunt war er, als er vor einigen Jahren noch einmal Wildflecken besuchte: "Mittlerweile ist da oben alles neu gemacht." Nicht mehr viel erinnere an damals.

    Eine offizielle Feier zum 20-jährigen Abzug der Amerikaner gab es heuer nicht. Für die Gemeinde Wildflecken war der Abzug der Amerikaner ein schmerzlicher Verlust. Die Auswirkungen des Abzugs sind auch heute noch spürbar. Die Gemeinde plant, in ihrem neuen Tourismuskonzept auch die Rolle des Militärs mit einzubeziehen. Denn Robert Gridley ist sicher nicht der einzige, der gern mal wieder in Wildflecken vorbeischauen würde.

    (Text: Sebastian Vogt)


    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 11:00:17 AM

    Besonders häufig im Autohaus Beck: Pick-Ups (Foto: Sarah Zubel)

    Auf US-Autos spezialisiert: Autohaus Beck in Wildflecken

    Das Autohaus Beck hat sich auf amerikanische Fahrzeuge spezialisiert. Im Gespräch sagte Heidi Beck: "Wir hatten früher viele Amerikaner in Wildflecken, die amerikanische Fahrzeuge gefahren haben. Wir haben durch unser Autohaus eine Niesche gefunden, denn in Deutschland sind wir einmalig." Uns das ist dem Inhaber Christoph Beck auch ganz wichtig: "Ich habe bereits im Kindesalter Herausforderungen gesucht. Ein normales Auto reparieren, dass kann jeder. Mir wäre da schnell langweilig."
    Nach dem Abzug der Amerikaner aus Wildflecken musste sich die Familie Beck erst wieder einen Namen machen und sich etablieren. Und das ist sichtlich gelungen, denn im Autohaus Beck kommen 70 Prozent der Fahrzeuge aus Amerika und nur 30 Prozent aus Deutschland. "Das hat mit den Amerikanern nicht mehr viel zu tun, da viele Kunden aus Deutschland und den Nachbarländern sind", so Christoph Beck. Kunden sind vor allem Bauunternehmer, Gärtnereien und Inhaber von Pferdegestüten, die
    die Ladeflächen der Pick-ups nutzen, um Baustoffe oder Futter zu transportieren. Das besonderste Fahrzeug für den Werkstatt-Inhaber: Ein Ford F Raptor mit über 400 PS. 
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 11:51:38 AM

    Christoph Beck vom Autohaus Beck in Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Auf US-Autos spezialisiert: Autohaus Beck in Wildflecken

    Wie die Geschichte Wildfleckens zeigt, haben in der Nachkriegszeit viele Amerikaner im Markt gelebt. Das hat man sich im Autohaus Beck zu nutzen gemacht. Im Jahr 1936 begann alles mit der Reperatur von Motorrädern. 1957 wurde dann ein Vertrag mit dem Autohersteller Ford geschlossen. Mittlerweile wird das Autohaus Beck in der dritten Generation von Christoph Beck geführt. Im Familienunternehmen arbeiten auch Christoph Becks Ehefrau Heidi Beck und sein Bruder Markus Beck. Unter den 17 Angestellten sind vier Auszubildende und vier Gesellen. Darauf ist Christoph Beck besonders stolz :"50 Prozent unserer Arbeiter sind noch in der Ausbildung."

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 3:53:00 PM

    Sonnenterasse beim Würzburger Hof (Foto: Sarah Zubel)

    Gaststätte Würzburger Hof in Wildflecken

    Im Würzburger Hof haben die Gäste auch die Möglichkeit XXXL-Gerichte zu bestellen - also über 1000 Gramm Fleisch. Im Vergleich dazu: Eine Portion der Größe M besteht aus 200 Gramm Fleisch. Das Essen muss aber vorher reserviert werden, denn anders könnte familie Kirchner nicht 20 XXXL-Portionen spontan auf die Beine stellen.
    Viele der Gaststätten in Wildflecken musste nach dem Abzug der Amerikaner schließen.
    In den Zeitungen wurde immer wieder vom "Gasthaussterben" gesprochen. Der Würzburger Hof hat sich aber seit Jahren etabliert und bleibt den Wildfleckenern auch künftig erhalten. Wieso es dort so gut funktioniert? Mein Tipp: Die wunderschöne Aussicht von der Sonnenterasse der Gaststätte. Einfach unbezahlbar. Mit diesem Sonnenuntergang-Foto verabschieden wir uns von Ihnen und hoffen, dass Sie auch morgen zusammen mit uns Wildflecken erkunden. Einen schönen Abend wünscht Ihnen die Redaktion der Main-Post.


    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 4:00:01 PM


    Werner und Evelyn Kirchner (Foto: Sarah Zubel)

    Gaststätte Würzburger Hof in Wildflecken: Vorliebe für Produkte aus der Heimat

    Seit 22 Jahren, also seit 1993, führen Werner und Evelyn Kirchner den Würzburger Hof in Wildflecken. Beide stammen aus Familien, in denen bereits Gaststätten betrieben wurden. Seit 2010 ist ihr Sohn Sascha, der auf dem Kreuzberg seine Lehre zum Koch beendet hat, der Geschäftsführer. Die Gäste: Viele Touristen, die die Traditionsräume der Bundeswehr oder den Polenfriedhof besichtigen wollen. Aber auch Familienfeste, Busgruppen und Motorradfahrer kommen in die Gaststätte der Familie Kirchner. Ein Stammgast ist die Dartmannschaft Rhön-Wölfe, die in der Bundesliga  - also bayernweit - spielt.

    Im Würzburger Hof wird Rhöner Küche angeboten. Werner Kirchner bezeichnet sich im Gespräch selbst als Rhöner Hase.

    Evelyn Kirchner ist es wichtig, dass das Fleisch aus der Rhön stammt.
    "Was sollen wir das Wild von woanders her kaufen, wenn es von hier noch besser schmeckt?"

    So kommt das Rind
    fleisch aus Oberweißenbrunn und das Bier vom Kreuzberg. Auch die Eier, Kartoffeln und Getränke kommen aus der Region. Insgesamt bezieht die Familie Kirchner nach eigenen Angaben 60 Prozent ihrer Waren aus der Umgebung und hat dafür sogar drei Silberdisteln der Dachmarke Rhön erhalten.

    Dabei handelt es sich um eine Auszei
    chnung für Gaststätten, die einen regionalen Wareneinsatz von mindestens 60 Prozent vorweisen können. Und das komme sehr gut bei den Gästen an. "In Wildflecken wollen sie es regional. Sie wollen nicht das haben, was sie zu Hause auch haben", so Evelyn Kirchner.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 4:00:07 PM


    Gaststätte Würzburger Hof in Wildflecken

    Gastwirt Werner Kirchner spielt für viele Hochzeiten und Gruppen auf seiner Drehorgel. Für uns hat er sich in seinem Würzburger Hof mit Anzug und Hut in Schale geworfen und ein kleines Konzert gegeben. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 4:02:26 PM

    Griechisch-deutsches Lokal "Bei Maria" (Foto: Sarah Zubel)

    Gaststätten in Wildflecken: Bei Maria

    Maria Kitsov, die ursprünglich aus Thessaloniki kommt, ist seit August 2015 die neue Besitzerin der Gaststätte neben dem Marktplatz in Wildflecken. Wo früher XXL-Gerichte angeboten wurden, kann man jetzt griechische Spezialitäten kosten, die die Chefin selber kocht.

    In Wildflecken findet sie vor allem die Berge und die Ruhe schön.
    Das ist aber nicht der Grund, warum sie nach Wildflecken gezogen ist. "Ich habe mich ganz spontan dazu entschieden. In Wildflecken und Umgebung gibt es kein griechisches Lokal", so Maria Kitsov.

    Die Gaststätte betreibt sie zusammen mit ihrem Bruder und ihrem Mann, der aus Deutschland kommt.
    Was sie an der Heimat vermisst? Natürlich die Familie.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/18/2015 9:02:08 PM

    Der Marktplatz bei Nacht (Foto: Sarah Zubel)

    Wildflecken bei Nacht

    Mit diesem Bild vom Marktplatz bei Nacht verabschieden wir uns von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser.
    Wir hoffen Sie, sind auch morgen wieder dabei, denn auch da warten schöne Geschichten aus Wildflecken. In dem Sinne: Schönen Abend und bis morgen.


    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:05:10 AM

    Reiter auf einer Wiese in Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Einen schönen guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser

    Heute ist Donnerstag und da haben wir uns gedacht, dass es zum Ende hin auch etwas politischer werden kann. Heute bringen wir Basis-Wissen rund um den Markt Wildflecken, berichten von unserem Treffen mit dem Bürgermeister Gerd Kleinhenz und stellen den Rhön-Klub vor. Gerne können Sie mit uns über die Kommentar-Funktion diskutieren und weitere Geschichten über Wildflecken erzählen. Ihre Beiträge ergänzen in diesem Blog das Angebot der Redaktion.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:06:53 AM


    Ich lebe gerne in Wildflecken, weil...

    Christoph Beck vom Autohaus Beck erzählt, was er schön an Wildflecken findet (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:07:30 AM

    Karte von Wildflecken aus dem Haus der Schwarzen Berge (Foto: Sarah Zubel)

    Zahlen und Fakten zu Wildflecken

    Der Markt Wildflecken schaut auf eine 490-jährige Geschichte zurück. Die wichtigsten Stationen haben wir für unsere Serie mal zusammengetragen:

    1524: Der Ort entsteht als Gruppe von Waldsiedlungen am Zusammenfluss von Sinn und dem Wölbersbach. Wildflecken und Oberbach entstehen aus sogenannten "wilden Ansiedlungen", die von den Forstmeistern in Bischofsheim geduldet wurden und vom Fürstbischof anfangs nicht erlaubt waren.

    1588:
    Der Ort erhält den Namen Wildflecken.


    1938: Wildflecken erhält durch den Truppenübungsplatz immer mehr an Bedeutung. Es kommt ein Wechsel von einer kleinen Ansiedlung hin zu einer größeren Gemeinde.

    1978: Bei der Gebietsreform wird der Zusatz Markt vom ehemaligen Markt Oberbach übernommen. Wildflecken ist jetzt offiziell ein Markt und Oberbach ein Teil davon.

    1994: Durch den Abzug der Amerikaner gehen viele Arbeitsplätze verloren. Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz äußert sich im Gespräch wie folgt dazu:


    Wir sind immer noch dabei uns zurückzuentwickeln. Der Markt ist immer noch ausgelegt auf 8.000 Menschen mehr. Das Loch, das vor etwa 20 Jahren gerissen wurde, müssen wir heute immer noch stopfen. Wir haben sehr viel Wohnraum und viele leerstehende Gewerbeflächen.

    Kommentar schreiben ()
  • von Wolfgang Dünnebier / MAIN-POST | 11/19/2015 5:08:01 AM


    Wildflecken ist im Umbau. Das Bild zeigt den Rathausplatz vor 2006. (Foto: Michael Mahr)


    Wildflecken und seine rasante Entwicklung
    Bis 1938 hatte Wildflecken gerade 500 Einwohner. Da, wo heute in Neu-Wildflecken das Rathaus steht, gab es nur Wiesen und Felder. Doch die Kriegsmaschine der Nazis lief an; es entstand ein
    Truppenübungsplatz mit 700 Gebäuden.
    Oberwildflecken wurde Standort der Munitionsproduktion. Häuser für Armeeangehörige und Arbeiter entstanden.

    Nach dem Krieg kamen Verschleppte, sogenannte "displaced
    persons", 20 000 an der Zahl.
    Das waren meist Kriegsgefangene und Flüchtlinge
    aus Polen und der Sowjetunion.
    Menschen, die nicht mehr in ihre Heimat zurück
    wollten, sondern weiter nach Übersee.
    Auch Heimatvertriebene und andere
    Zugezogene siedelten zwischenzeitlich in Neuwildflecken.


    1952 ein weiterer Einschnitt: Die Amerikaner belegten Kaserne und den riesigen
    Truppenübungsplatz.
    Im Schnitt 8000 Soldaten waren mit ihren Angehörigen ständig
    vor Ort.


    Bis 1994 blieben sie und bildeten eine für die Rhön gewaltige
    Wirtschaftsmacht.
    830 zivile Arbeitsplätze gingen damals praktisch mit einem
    Schlag verloren.
    Hinzu kam, dass die Bundeswehr 1995 die alte Rhönkaserne in
    Oberwildflecken schloss.
    Ein Wendepunkt für eine sich bis dahin kräftig
    entwickelnde Gemeinde.


    Den Amerikanern
    folgten nun Spätaussiedler.
    Ein Übergangswohnheim sorgte dafür, dass die
    Bevölkerungszahl wieder wuchs.
    Es gab jedoch soziale Probleme. 1997 hatte
    Wildflecken 3800 Einwohner.
    Doch mit dem Weiterzug der meisten Spätaussiedler
    begann erneut der Schwund.
    Es kam nichts mehr nach.

    Nun musste etwas
    gegen die überdimensionierte Infrastruktur und die zu vielen Wohnungen im Ort
    getan werden.
    Denn es gab bis 40 Prozent Leerstand.

    Wildflecken hatte das
    zweifelhafte Glück, einer von 16 Orten in Deutschland zu sein, die  gravierende Strukturprobleme haben.
    Alle diese Orte,
    von denen die bekanntesten wohl im Ruhrgebiet liegen, wurden in das
    Förderprogramm des Bundes aufgenommen.


    Sie alle starteten Modellprojekte
    und bekamen dafür reichlich staatliche Förderungen.
    Wildflecken, der kleinste
    der Orte, erhielt insgesamt zwei Millionen Euro.
    Die Gemeinde musste zusätzlich
    einen Eigenanteil von 500 000 Euro aufbringen.
    Dafür wurden die sozialen
    Problemgebiete Fleischhauer-Straße und Schlesierstraße aufgewertet.
    Für manchen
    Wildfleckener erfüllte sich zum Schnäppchenpreis der Traum vom Eigenheim mit
    Garten.


    Der Parkplatz vor dem Rathaus wurde "multifunktionaler
    Aufenthaltsbereich und Kommunikationsplatz", wie die Planer es bezeichneten.
    Auch der Gewerbepark am Kreuzberg - auf ehemaligen Kasernengelände gelegen -
    gehört als Projekt zum
    Stadtumbau West.

    Es gibt noch viele Herausforderungen. So werden weitere Kasernengebäude abgerissen, im Zuge der Schulsanierung wird das Hallenbad weichen. Sanierungsbedürftig ist die Kläranlage. Finanziell war Wildflecken nie auf Rosen gebettet. Offen ist die Verwendung des brach liegenden Bahnhofes.
    Und so ist jedes Vorhaben bei aller staatlichen Unterstützung eine
    besondere Herausforderung für eine Gemeinde, die schon immer mit spitzem
    Stift rechnen musste.
     



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:09:55 AM

    Bürgermeister Gerd Kleinhenz (Foto: Sarah Zubel)

    Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz

    Für Wildfleckens Bürgermeister Gerd Kleinhenz, der seit letztem Jahr im Amt ist, hat der Markt drei Standbeine : Die Industrie, die Bundeswehr und den Tourismus.Vor allem beim Letzten müsse man sich noch weiter entwickeln, denn im Outdoor-Bereich wie beim Mountain-Bike und Wandern, habe Wildflecken viel zu bieten, so Kleinhenz.
    Das einzige Problem: Das liebe Geld. "Wildflecken ist finanzschwach. Wir müssen einen Spagat schaffen zwischen Weiterentwicklung und einem Sparwillen", sagte der Bürgermeister im Gespräch. Erst kürzlich wurde die Schließung des Hallenbads einstimmig beschlossen. Die Bundeswehr bleibe Wildflecken aber für die nächsten Jahre sicher erhalten: "Der Bund hat im letzten Jahr 16,4 Millionen Euro in den Standpunkt Wildflecken investiert. Das zeigt, wie wichtig der Standpunkt ist und das er uns auch in den nächsten Jahren erhalten bleibt." Aber Wildflecken hat auch vieles Schönes zu bieten und darauf war Gerd Kleinhenz beim Gespräch sichtlich stolz:

    Wir haben eine gute Grundversorgung, eine Schule im Ort, eine tolle Natur, intakte Vereinsstrukturen, Arbeitsplätze vor Ort wie durch die Firma Paul&Co, wir sind weltoffen gegenüber anderen Nationalitäten und wir haben zwei Einrichtungen für psychisch-kranke Menschen. Diese werden von mir voll akzeptiert und sind für mich Mitmenschen wie alle anderen auch.



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:10:10 AM

    Rathaus in Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Zahlen und Fakten zu Wildflecken

    Im Markt Wildflecken leben etwa 3.000 Einwohner. Seit März 2014 ist Gerd Kleinhenz von der PWW (Parteifreie Wähler Wildflecken) Bürgermeister von Wildflecken. Der Name des Marktes geht auf die mittelhochdeutschen Begriffe wilt und vlëcke zurück und bedeutet "Ort in der Wildnis". Wildflecken liegt in der südlichen Rhön und ist Teil vom Naturschutzgebiet Schwarze Berge sowie des länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservats Rhön. Einmal im Jahr wird in Wildflecken der Wilde Sommer veranstaltet, ein Fest bei dem eine Gewerbeschau angeboten wird. Dort können sich Interessierte über die Produkte der ortsansässigen Unternehmen informieren.

    Das W
    ildfleckener Wappen zeigt einen Jäger, der in der rechten Hand ein goldenes Hifthorn und in der linken Hand ein silbernes Rodungsbeil hält. Das Wappen erinnert an die Vergangenheit der Gemeinde, da Wildflecken früher
    eine Rodungssiedlung war, welche die Forstmeister von Lebenhan mit Zustimmung der Fürstbischöfe von Würzburg in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts angelegt hatten. Die ersten Siedler des im so genannten Salzforst gelegenen Ortes waren Köhler, Jäger und Forstarbeiter. Auf diese Entstehungsgeschichte der Gemeinde verweisen die Wappenfiguren Jäger und Rodungsbeil.

    Der Marktplatz in Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Jürgen Haug-Peichl / MAIN-POST | 11/19/2015 6:12:03 AM

    Loblied auf Wildflecken

    Er singt zwar nicht, dennoch ist es ein Loblied: Bürgermeister Gerd Kleinhenz ist rundherum begeistert von seinem Wildflecken. (Video: Sarah Zubel.)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 9:16:50 AM


    Rundfahrt durch Oberwildflecken im Zeitraffer

    Natürlich möchten wir die beiden Ortsteile Oberbach und Oberwildflecken nicht vernachlässigen, deshalb kommt auch hier ein Video von unserer Rundfahrt. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 10:24:44 AM



    Die Oberbacher Hütte als Treffpunkt des Rhönklub Zweigvereins (Foto: Sarah Zubel)

    Heimat auch für viele Jugendliche: Rhönklub-Zweigverein in Oberbach

    Der Zweigverein wurde auf Initiative seines heutigen Ehrenvorsitzenden, Wildfleckens Altbürgermeister Alfred Schrenk, 1972 wiedergegründet. Mittlerweile zählt er 620 Mitglieder - davon über 100 Jugendliche.

    Das freut vor allem Roland Heublein, den Vorsitzenden des Rhönklub Zweigvereins: "Ich bin froh, dass wir eine gesunde Mischung haben von Senioren und Jugendlichen. Bei uns sind die Altersstrukturen nicht zu hoch, was sehr gut ist. Unser jüngstes Mitglied in der Vorstandschaft ist gerade mal 22 Jahre alt."


    Die Mitgliederzahl des Rhönklubs ist insofern erstau
    nlich, wenn man bedenkt, dass der SV Wildflecken mit seinen zahlreichen Sportangeboten lediglich um die 500 Mitglieder zählt.
    Von den 100 Jugendlichen wurden die meisten durch ihre Eltern auf den Verein aufmerksam, verrät uns Roland Heublein. Bei ihm war es aber genau andersherum. Seine Tochter wollte unbedingt im Theater mitspielen und ist in den Verein eingestiegen.

    Regelmäßig organisiert der Rhönklub-Zweigverein Wanderungen und Veranstaltungen wie eine Ostereiersuche, zwei Damengymnastik-Kurse, einen Männenchor oder das Durfttheater. Außerdem werden auch Ausflüge ins Ausland unternommen - bald geht es mit 40 Leuten nach New York.

    Drei Wochen vor Ostern wird die Tradition fortgeführt, dass das sogenannte Bleesfeuer den Winter verbrennt. Viele dieser Veranstaltungen finden in der Oberbacher Hütte statt, die 1997 von dem damaligen Vorsitzenden Schrenk erworben worden war.
    Einziger Haken: Die Hütte befindet sich in einer Kernzone des Biosphärenreservats, die von Besuchern nur eingeschränkt betreten werden darf. Für größere Veranstaltungen besorgt Roland Heublein aber eine Genehmigung, so dass dann die Kinder ausgelassen im Wald spielen können. 

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 10:30:52 AM

    Vorsitzender Roland Heublein (Foto: Sarah Zubel)

    Heimat im Verein: Rhönklub-Zweigverein in Oberbach

    Seit 2005 ist Roland Heublein der Vorsitzende vom Rhönklub Zweigverein. Die ehrenamtliche Arbeit für seinen Ort Oberbach ist dem Soldaten besonders wichtig, weil er der Meinung ist, dass die Menschen ohne ein Vereinsleben sehr anonym nebeneinander leben würden und wenig Kontakt miteinander tten.

    Alleine bewältigen kann er die Arbeit rund um den Verein aber nicht. "
    Einer alleine kann das nicht schaffen. Man braucht eine starke Mannschaft hinter sich." Die Mitgliedschaft kostet übrigens 20 Euro pro Familie.

    Der
    Vorsitzende ist überzeugt, dass die meisten die Rhön und die Schwarzen Berge rund um Wildflecken, Oberwildflecken und Oberbach nicht zu schätzen
    wissen.

    Man merkt erst, wie schön es hier ist, wenn man von hier weg geht. Manch einer versäumt die Schönheit des Ortes und seiner Umgebung zu sehen. Man kann hier viele schöne Dinge erleben, wenn man den Blick dafür hat. 



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 2:29:17 PM


    Rundfahrt durch Oberbach im Zeitraffer

    Natürlich möchten wir die beiden Ortsteile Oberbach und Oberwildflecken nicht vernachlässigen, deshalb kommt auch hier ein Video von unserer Rundfahrt. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 3:44:26 PM

    Herbert Jeschke und sein Sohn Marc Jeschke (Foto: Sarah Zubel)

    Physiotherapie- und Heilpraxis Jeschke

    Die Praxis von Herbert Jeschke gibt es seit 1978 in Wildflecken. Mittlerweile hat sein Sohn Marc die Praxis übernommen. Aber: Marc Jeschke ist Physiotherapeut und Herbert Jeschke ist zudem noch Heilpraktiker. Dadurch kann er eine manuelle Therapie und neurophysiologische Elemente in die Behandlung miteinfließen lassen. Das bedeutet: Herbert Jeschke kann seine Kunden in Trance versetzen und ihnen dabei helfen mit dem Rauchen aufzuhören, Prüfungsängste zu bewältigen oder an Gewicht zu verlieren. Der 67-Jährige denkt aber noch nicht ans Aufhören, denn: "Der Grund warum ich noch tätig bin, ist die Liebe zum Beruf", so Herbert Jeschke. Urspünglich kommt er übigens aus München. Als Zeitsoldat kam er aber 1967 in einer Fördergruppe der Bundeswehr nach Wildflecken.

    Auch Marc Jeschke kann sich keinen schöneren Beruf vorstellen:
    "Der Beruf ist sehr abwechslungsreich. Die Patienten klagen über unterschiedliche Schmerzen und haben große Altersunterschiede. Unsere älteste Patientin war 102 Jahre alt und unser jüngster Patient war ein Baby." Aber auch durch die Rhön ist Marc Jeschke immer wieder nach Wildflecken zurückgekehrt.

    "Ich geh fünf Minuten joggen und schon bin ich im Wald. Die Umgebung und die Natur sind sehr schön. Ich bin froh, dass ich hier meine Wurzeln haben und hier leben kann.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 4:07:59 PM

    Marc Jeschke (Foto: Archiv Physiotherapiepraxis Jeschke)

    Wildflecken: Heimat eines erfolgreichen Skisportlers

    Seit seinem 6. Lebenjahr stand Marc Jeschke auf Skiern. Er selbst sagt: "Ich bin durch meinen Vater zum Sport gekommen." Herbert Jeschke war früher als Geher unterwegs und hat selbst Skilanglauf betrieben.

    Seinen Sohn Marc hat er meistens mitgenommen.
    Im Jugendalter gewinnt Marc Jeschke immer wieder Schülermeisterschaften, bis er dann mit vierzehn Jahren auf ein Ski-Internat im Sauerland kommt. Danach wechselt er auf ein Ski-Gymnasium nach Oberhof in Thüringen.

    Durch diesen Wechsel war er der erste Skilangläufer, der vom Westen in den Osten gewechselt ist.
    Seine größten Erfolge als Sportler: Bei der
    deutschen Jugendmeisterschaft 1993 belegt er über 10 Kilometer den ersten Platz. Zwei Jahre später folgt der erste Platz in der Staffel.

     
    Bei der deutschen Meisterschaft 1995 belegt er den dritten Platz über 10 Kilometer, den dritten Platz über 30 Kilometer und den zweiten Platz in der Staffel. Danach folgt mit 23 Jahren das Aus für seine Karriere.

    Schuld daran war eine
    Schulterverletzung. Außerdem sei ihm der Druck zu hoch gewesen, verrät er uns im Gespräch. Während seiner Zeit als Profi ist er mit Größen wie Andreas Schlütter (gewann bei den Olympischen Winterspielen 2002 und 2006 Bronze und Silber) und René Sommerfeldt (einer der erfolgreichsten deutschen Skilangläufer) zusammengekommen.


    Heute steigt Marc Jeschke noch ab und an auf seine Skier - meist mit Stirnlampe, weil es abends nach der Arbeit schon dunkel ist. In Zukunft würde er gerne eine Jugendmannschaft im Skilanglauf trainieren, hat dafür aber zu wenig Zeit. Denn der Andrang ist hoch - die Kunden kommen teilweise aus Künzell in die Physiotherapie- und Heilpraxis von Vater und Sohn.

    Marc Jeschke (Foto: Archiv Physiotherapiepraxis Jeschke)
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 5:32:46 PM


    Rundfahrt durch Wildflecken im Zeitraffer

    Einmal Wildflecken durchfahren in weniger als zwei Minuten - ganz einfach Video schauen und den Markt miterleben. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/19/2015 8:15:46 PM

    Ein Maibaum bei der Feuerwehr von Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Liebe Leserinnen und Leser,

    mit diesem letzten Bild vom Maibaum, den wir neben der Feuerwehr in Wildflecken gefunden haben, verabschieden wir uns für heute von Ihnen. Morgen erwarten Sie wie immer viele schöne Geschichten rund um den Markt. Wir hoffen, dass Sie auch morgen wieder mitlesen und vielleicht sogar einige Ihrer Geschichten mit uns teilen.
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:42:43 AM

    Rhön rund um Wildflecken, Oberwildflecken und Oberbach (Foto: Sarah Zubel)

    Einen schönen Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser

    Freitag, der letzte Tag unserer Serie. Auch heute haben wir noch viele schöne Geschichten für euch im petto. Bürgermeister Gerd Kleinhenz hat den Markt Wildflecken für seine Wirtschaftlichkeit im Gespräch bereits gelobt. Heute schauen wir genauer hin. Wir stellen die Unternehmen Witzel Spedition, Söder Baugeräte sowie die Gärtnerei Neisser vor. Was die so besonders macht? Das verraten wir in Kürze an dieser Stelle.
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:43:46 AM

    Barbara Wenzel von AS Baugeräte (Foto: Sarah Zubel)

    AS Baugeräte in Oberwildflecken

    Kommt ein Auftrag rein, müssen zunächst Zeichnungen angefertigt werden.
    Danach werden die benötigten Stahlteile bei einem Stahlhändler aus Würzburg besorgt oder bei Brennereien in Bad Neustadt und Wollbach in Auftrag gegeben. Kommen die Teile in Oberwildflecken an, müssen sie geschweißt und lackiert werden. Erst zum Schluss wird der Großteil auf das Fahrgestell montiert - manches muss aber schon vorher zusammengebaut und geschweißt werden. Als letztes kommen die Hydraulik und die Elektrik dran. 

    Egal welche Farbe, Funktion oder Technik gewünscht ist, die 20 Mitarbeiter bei AS Baugeräte können nach Firmenangaben 15-20 Produkttypen, die nochmals in mehrere Gruppierungen unterteilt sind, anfertigen. Kunden sind die Kommunen, Straßenmeistereien, Bauunternehmen, Landwirte aber auch die Bundeswehr in Wildflecken. Für die Standortunterhaltung hat sie bereits mehrere Fahrzeuge aus Oberwildflecken gekauft.

    Als Frau in solch einem männerdominierten Beruf zu arbeiten, sei nicht immer leicht, verrät uns Barbara Wenzel im Gespräch:

    Das Klischee, dass Frauen und Technik nicht zusammenpassen, hält sich hartnäckig. Ich merke das, wenn ich auf einer Messe bin. Die Interessenten wollen lieber mit einem Mann sprechen. Aber es wird langsam besser. 

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:43:54 AM

    AS Baugeräte Oberwildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    AS Baugeräte Oberwildflecken

    Zusammen mit ihrem Vater Alfred Söder leitet die 37-jährige Barbara Wenzel das Unternehmen AS Baugeräte. Dort lassen Vater und Tochter Fahrzeuge für den Straßenbau sowie die Landwirtschaft bauen - darunter Pritschen, Bankettfertiger, Mehrplattenverdichter und unterschiedliche Formen von Fräsen. Für insgesamt 36 Länder - vor allem in der EU - fertigt die Mannschaft von AS Baugeräte Fahrzeuge nach Wunsch an. Ein solches Fahrzeug kann dann auch schon mal bis zu 500.000 Euro kosten, je nachdem welche Technik vom Kunden gewünscht ist. Dies seien aber großere Aufträge, die in der Regel seltener zustande kommen, so Barbara Wenzel. Bis ein solches Fahrzeug fertig ist, dauert es meistens ein halbes Jahr. Die Fahrgestelle werden von der Daimler AG, dem Partner von AS Baugeräte, zur Verfügung gestellt.

    AS Baugeräte Oberwildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:44:00 AM


    Die Witzel Spedition von oben (Foto: Archiv Witzel)

    LKW Spedition Witzel

    Damit die Lastwagen immer auf dem neusten Stand sind und auch im Notfall schnell repariert werden können, besitzt die Witzel Spedition eine eigene Lkw-Werkstatt, eine eigene Waschanlage und eine Hoftankstelle. Außerdem können Kunden Material lagern, denn Jochen Witzel gehört auch eine Lagerhalle in der Größe von 2800 Quadratmetern. Trotzdem sieht sich das Unternehmen mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Dadurch, dass die Wehrpflicht abgeschafft wurde, gebe es weniger berufliche Quereinsteiger und somit auch weniger Fahrer. Derzeit setzen Michaela und Jochen Witzel ihre ganze Hoffnung in die sechs Auszubildenden, denn es mangelt an Berufskraftfahrern. Und ist dann doch Not am Mann, fährt der Chef noch selber.

    Aus Oberbach möchte die Familie nur ungern weg. Michaela Witzel fühlt sich im Ort sehr wohl:

    Hier ist Ruhe, ein gutes Angebot an Schulen und Kindergärten, hier gibt es Geschäfte und man hat die Natur gleich vor der Tür. In Oberbach kennt jeder jeden, da kann man die Kinder beruhigt aus dem Haus lassen. Hier ist ein schönes Miteinander, denn es gibt viele Vereine.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:44:06 AM

    Jochen Witzel mit seinem Sohn Hannes (Foto: Sarah Zubel)

    LKW-Spedition Witzel

    Die LKW-Spedition Witzel gibt es seit 1938 in Oberbach. Geschäftsinhaber ist Jochen Witzel, der das Unternehmen mittlerweile in der vierten Generation führt. Auch seine Frau Michaela und seine Mutter Gisela arbeiten mit im Unternehmen. Am Anfang führte die Witzel Spedition lediglich Kleintransporte durch. Mit dem unten gezeigten Fahrzeug wurden so Holz und Schwerspat aus den umliegenden Gruben transportiert. In den 1960er Jahren, als die Autobahn und Brücke bei Brückenau fertig war, hatte man angefangen, mit Lastwagen zu fahren - heutzutage vor allem für die Kunert Gruppe und die Firma Paul & Co. "Wir fahren seit 40 Jahren für die Kunert Gruppe. Wir sind quasi groß geworden mit denen", so Jochen Witzel im Gespräch. Aber auch Klebstoffe, Autoteile, Paletten, Holz und Verschalungen bringt die Spedition von A nach B. Dabei beschränkt sich das Geschäft zu 90 Prozent auf Deutschland - nur 10 Prozent der Lkws gehen in die Nachbarländer Deutschlands. Egal ob Sattelzug, Tankzug oder Gliederzug - die Witzel Spedition fährt alles. 

    Eines der ersten Transportfahrzeuge der Witzel Spedition (Foto: Archiv Witzel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:44:17 AM


    Ich lebe gerne in Wildflecken, weil...

    Zusammen mit ihrem Border Collie Rian lebt die 22-jährige Jasmin Strömel seit Jahren in Wildflecken. Als Hundehalterin findet sie vor allem die Wanderwege rund um Wildflecken schön. Hier das ganze Video. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:48:29 AM

    Vergleich der Gärtnerei Neisser heute und in den 1960er Jahren. (Fotos: Sarah Zubel/ Archiv Gärtnerei Neisser)

    Gärtnerei Neisser in Wildflecken


    Die Gärtnerei Neisser in Wildflecken ist ein Traditionsunternehmen. Karl-Heinz Neisser: "Wir sind eine Gärtnereifamilie." Nicht nur seine Eltern und Geschwister haben in einer Gärtnerei gelernt und gearbeitet, sondern auch seine Kinder. Tochter Lea Neisser hat als Floristenmeisterin im vergangenen Jahr den Betrieb in Wildflecken übernommen. Sohn Dominik lebt in Kalifornien und arbeitet als Gartenbaudiplomingenieur.

    Übrigens: Karl-Heinz Neissers Vater Karl hieß wie der Großvater. Sogar der Name des Enkels geht in dieselbe Richtung - der Kleine heißt Carlos.

    Das Unternehmen hat sogar ein Superlativ zu bieten: Die Gärtnerei Neisser ist die am höchsten gelegene Gärtnerei Unterfrankens. In 650 Metern Höhe befinden sich auf über 1.000m² zwei Gewächshäuser, Arbeitsräume und ein Folientunnel. Dadurch entstehen nicht nur höhere Heizkosten, sondern auch die Pflanzen kommen später.
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:48:35 AM


    Karl-Heinz Neisser mit seinem Vater Karl Neisser (Foto: Archiv Gärtnerei Neisser)

    Gärtnerei Neisser in Wildflecken

    Nachdem der Vater 1967, ein Jahr nachdem er die Gärtnerei gekauft hatte, bei einem Autounfall tödlich verunglückte, musste der damals 22-jährige Karl-Heinz die Gärtnerei mit seiner Mutter leiten.
    Nach seiner Ausbildung als Gärtner absolvierte er 1980 eine Ausbildung zum Floristenmeister.



    Meine Eltern haben hier mit nichts angefangen. Ich bin ins kalte Wasser geschmissen worden, als mein Vater gestorben ist und ich die Gärtnerei weiter führen musste.



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 9:48:41 AM

    Karl-Heinz Neisser (Foto: Sarah Zubel)

    Gärtnerei Neisser in Wildflecken

    Bei unserem Besuch hat uns Karl-Heinz Neisser erzählt, dass sich die Branche immer mehr verschlechtere.
    Früher musste er zum Beispiel den ganzen Karfreitag durcharbeiten, damit die Blumen am Samstag ausgeliefert werden konnten. Mittlerweile könne man in jedem Discounter Saisonblumen kaufen, so Neisser. "Uns bleibt nur noch die Leistung."
    Und die werde meistens nur noch für Kleinigkeiten in Anspruch genommen, weil das
    Spezielle weniger wird, so Neisser weiter. 

    Egal ob Hochzeit oder Geburtstag, mittlerweile kaufe man nur noch vereinzelt Blumen. "Der Kunde möchte möglichst wenig Arbeit mit den Blumen haben. Der Trend geht zu Steinen und Gräsern." 

    Und das spiegle sich in seinem Unternehmen an der Zahl der Mitarbeiter: In den besten Zeiten haben 14 Leute in der Gärtnerei Neisser gearbeitet - jetzt sind es noch fünf. Aber den Spaß am Beruf hat Karl-Heinz Neisser nicht verloren. Immerhin hat er noch einige Ideen, die er in Ostheim auf dem Pflanzenmarkt präsentieren möchte. Und einige Dinge werden immer gerne gekauft - der Verkaufsschlager: Die Fingergurke.

    Es ist abwechslungsreich und jeden Tag wartet eine neue Herausforderung auf mich. Ich finde es schön, mir als Floristenmeister zu überlegen, wie ich die Blumen verarbeiten kann.





    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 4:07:04 PM


    Ich lebe gerne in Wildflecken weil...

    Ewald Pollok kommt eigentlich aus dem Ruhrgebiet. Seit acht Jahren wohnt er nun im Markt Wildflecken. Wie er hierher gefunden hat? Durch seinen Schulfreund, der ihn überredet hat nach Wildflecken zu ziehen. Die Entscheidung hat er bis heute nicht bereut. Er sagt sogar, dass er seinem Freund ewig dankbar dafür sein wird. Was er an Wildflecken schön findet und was der Markt ihm bedeutet? Hier die Antwort. (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 4:07:32 PM

    Eine Besucherin bastelt Weihnachtsdeko (Foto:Sarah Zubel)

    BetrO: Heimat für Menschen mit psychischen Erkrankungen

    Hilmar Ott und die Betreuer versuchen für die Besucher ein vielfältiges Angebot auf die Beine zu stellen. Ziel: Die Menschen sollen sich gebraucht fühlen und einen strukturierten Tag haben.

    Manche arbeiten sogar bei BetrO-Mobil, dass Hilmar Ott gegründet hat, um den psychisch-erkrankten Menschen eine Arbeit zu geben. Als Angestellte helfen einige der Erkrankten bei Umzügen und Renovierungen. Dabei sollen sie an die Arbeitswelt mit festen Absprachen und Erwartungen wie an die Pünktlichkeit des Arbeitnehmers herangeführt werden.

    Oft
    mals werden auch Ausflüge unternommen. Einmal im Monat findet ein kulinarischer Stammtisch statt, Reisen nach Italien und in Deutschland wurden bereits unternommen. Bei BetrO gibt es eine eigene Fußballmannschaft, unterschiedliche Aktivitäten wie ein Filmabend, Gymnastik, Kino und Schwimmbad werden angeboten. Alles auf freiwilliger Basis - wer nicht mitmachen möchte, müsse das auch nicht, so Ott.

    Die fertige Weihnachtsdekoration (Fotos: Sarah Zubel)
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 4:07:36 PM

    BetrO-Inhaber Hilmar Ott mit seiner Frau (Foto: Sarah Zubel)

    BetrO: Heimat für Menschen mit psychischen Erkrankungen

    Seit mittlerweile sieben Jahren gibt es BetrO -
    Betreuungsdienstleistungen Ott - in Wildflecken.
    Etwa 50 Besucher - so bezeichnet Hilmar Ott die Menschen mit psychischen Erkrankungen - kommen regelmäßig in die Fleischhauerstraße. Denn nicht alle wohnen auch dort.

    Viele besitzen eigene Wohnungen oder
    leben in Wohngemeinschaften in Wildflecken und Umgebung.
    Die Besucher haben klassische psychische Erkrankungen wie Schizophrenie, Depressionen, Persönlichkeitsstörungen oder Manie.


    Viele haben ihre Familien verloren, sind vereinsamt und haben keine
    Ansprüche ans Leben.
    Bei BetrO sollen sie lernen, ihr Leben zu strukturieren und Spaß daran zu entwickeln. Denn Hilmar Ott weiß:


    Jeder Mensch will gebraucht werden. Diese Menschen haben in der Gesellschaft einen schlechten Stellenwert. Sie fühlen sich wie das fünfte Rad am Wagen. So ein Schicksal kann jeden von uns treffen.



    Damit die Wildfleckener keine Berührungsängste haben, bietet Hilmar Ott Gespräche und Führungen durch die Einrichtung an. "Wir sind hier wie im einem Glashaus. Für uns ist immer Tag der offenen Tür."


    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 4:07:47 PM

    BetrO-Inhaber Hilmar Ott (Foto: Sarah Zubel)

    Betreuungsdienstleistungen Ott - kurz BetrO

    Fünf
    Jahre war Hilmar Ott Heimleiter im Haus mit Sinn, dass er mitbegründet hat.
    Der Unterschied zwischen den beiden Einrichtungen? Im Haus mit Sinn werden die Besucher vollstationär behandelt, bei BetrO ambulant. Immer besonders wichtig: Die Vertrauenbasis zwischen dem Team und den Besuchern. "Wir kommunizieren hier auf einer Ebene. Dadurch soll eine Vertrauensbeziehung endstehen. Die Besucher haben alle ihre Schlüssel und müssen uns nicht in die Zimmer lassen, wenn ihnen nicht danach ist."
    Insgesamt arbeiten 24 Menschen bei BetrO - davon einige nur in Teilzeit. Darunter sind Erzieher, Krankenpfleger, Sozialpädagogen und Hauswirtschaftskräfte. 

    Damit  die Besucher so wenig schlechte Tage wie möglich haben, gibt es ein vielfältiges Angebot. Hinterher getragen bekommen sie nichts - das ist Hilmar Ott besonders wichtig.

    Wir arbeiten unterstützend, aber ihre Aufgaben müssen die Besucher selber machen. Man muss den Menschen auch was zutrauen und sie wertschätzen. Die Leute sollen nicht alles nachgetragen bekommen, denn so ist es in der wahren Welt auch nicht. Das wäre eine künstliche Welt. Hier hat jeder seinen Dienst. Der eine muss den Einkauf erledigen und der andere den Müll rausbringen, kochen oder aufräumen. 



    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/20/2015 8:06:21 PM

    Der Marktplatz bei Nacht (Foto: Sarah Zubel)

    Wildflecken bei Nacht

    Mit diesem Bild vom Marktplatz bei Nacht verabschieden wir uns von Ihnen liebe Leserinnen und Leser.
    Wir hoffen Sie sind auch morgen wieder dabei, denn auch da warten schöne Geschichten aus Wildflecken. In dem Sinne: Schönen Abend und bis morgen.


    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 7:04:19 AM

    Sportplatz neben dem Helmut-Patzke-Stadion (Foto: Sarah Zubel)

    Heimat der Sportler: SV Wildflecken


    Der SV Wildflecken sieht sich heute mit einem großen Problem konfrontiert: dem Mangel an Spielern. Im Gespräch verrät uns Thomas Helfrich, dass eine Kooperation mit anderen Vereinen mittlerweile notwendig sei. So haben sich 2013 einige Jugendmannschaften der regionalen Vereine zusammengeschlossen und die JFG Sinntal-Schondratal (Juniorenfördergemeinschaft) gegründet - darunter ist auch der SV Wildflecken. Zudem haben sich 2015 die Senioren aus Wildflecken mit dem SCK Oberwildflecken zusammengetan und spielen derzeit in der B-Klasse.

    Den Spielermangel sieht Walter Gutmann, ehemaliger Bürgermeister von
    Wildflecken und Ehrenmitglied des SV Wildflecken, im Wandel des Freizeitverhaltens der Jugendlichen.
    Seiner Meinung nach lebten die Menschen damals unter anderen Voraussetzungen und anderen gesellschaftlichen Normen.

    Heutzutage, so Gutmann, haben das Studium, die Arbeit und die Partnerschaft einen anderen Stellenwert als früher.
    Dadurch würden die Spieler ein anderes Verhältnis zum Verein haben.

    "Früher war es undenkbar, dass jemand während der Saison in den Urlaub
    fährt.
    Über die Kameradschaft, die ich in der Vergangenheit miterleben durfte, freue ich mich mein ganzes Leben lang. Das waren meine schönsten Zeiten. Wegen der Arbeit oder dem Studium gehen die meisten Freundschaften der Vereinsmitglieder heutzutage auseinander", so Gutmann. Das sei für ihn keinesfalls als Kritik, sondern lediglich als Konsequenz des gesellschaftlichen Wandels, zu verstehen.

    Im Sport sieht das Ehrenmitglied viele Vorteile: Freundschaft,
    Teamgeist, Durchsetzungsvermögen, Disziplin, Toleranz, Kameradschaft, Anerkennung und Selbstvertrauen.
    Vor allem die Toleranz sei beim SV Wildflecken sehr wichtig. Im Gespräch zeigte sich Thomas Helfrich glücklich über die Integrationsfähigkeit des Vereins:

    Nur drei der dreizehn Vorsitzenden waren aus Wildflecken. Der Rest waren Hinzugezogene. Die vielen Amerikaner, Flüchtlinge und Übersiedler haben unseren Verein sehr aufgewertet. Aber nicht nur der sportliche Erfolg ist wichtig, sondern auch die Vertreter des Vereins. Manche Streben nach Verantwortung und sehen es nicht als Last, diese zu übernehmen.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 7:07:32 AM

    Wolfgang Illek, Thomas Helfrich, Jürgen Peterek und Walter Gutmann (Foto: Sarah Zubel)

    Sportverein SV Wildflecken

    Die vier Herren auf dem Foto engagieren sich seit Jahren für den SV Wildflecken. Jürgen Peterek war jahrelang Vorsitzender des Vereins und hat dort auch Fußball gespielt. Heute ist er Ehrenvorsitzender. Der ehemalige Bürgermeister Walter Gutmann, der heute Ehrenmitglied im Sportverein ist, war früher als Torwart und Trainer tätig. Thomas Helfrich hat nicht nur Fußball gespielt und den Schützensport ausgeübt, sondern hat auch im Jahre 2009 eine Chronik über den SV geschrieben. Auf über 400 Seiten beschäftigt er sich mit der Geschichte des Vereins. Zeitaufwand: Mehr als 2500 Stunden in einem Zeitraum von nur wenigen Monaten. Wolfgang Illek nimmt seit 2005 das deutsche Sportabzeichen ab und ist seit 2004 Abteilungsleiter der Leichtathletik. Außerdem organisiert er zahlreiche Sportveranstaltungen wie den Staffellauf rund um Wildflecken und den Rhön Bike King (In unserer Serie haben wir bereits ausführlich darüber berichtet). 
    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 7:08:47 AM

    Sportplatz des SV Wildflecken (Foto: Sarah Zubel)

    Heimat der Sportler: SV Wildflecken

    Den SV Wildflecken gibt es mittlerweile seit 81 Jahren. Hier ein kurzer Abriss der Vereinsgeschichte:

    1928: Junge Männer aus der Gemeinde schließen sich zusammen, um miteinander Fußball zu spielen. Zwei Jahre später gibt es durch den DJK (Deutsche-Jugend-Kraft) Fußball in organisierter Form.

    6. Juni 1934
    : 14 aktive und 4 passive Fußballer treffen sich in einem Gasthaus um den heutige Sportverein SV Wildflecken zu gründen.

    1939: Die meisten Männer ziehen in den Krieg und der Spielbetrieb wird eingestellt.

    1949-1954: Die Abteilungen Damengymnastik, Schwer- und Leichtathletik, Schützensport sowie Tischtennis werden gegründet. In den nächsten Jahrzehnten folgen die Abteilungen Schach, Tennis und Ju-Jutsu.

    1950er: Die Amerikaner bringen sich als Spieler und Hilfskräfte in den SV Wildflecken mit ein. Außerdem spielen auch einige Menschen aus dem Polenlager mit - so auch ein Nationalspieler Polens. Der Verein sieht es als Aufgabe den Heimatvertriebenen zu helfen.

    Anfang 1970er:
    Werberg wird abgesiedelt, aber viele der Menschen bleiben beim SV Wildflecken hängen. Zudem kommt ein neuer Schub von der Bundeswehr, denn viele der Soldaten können über das Wochenende nicht nach Hause fahren. Deshalb bringen sie sich in den Verein ein.

    13.06.1979: Die neue Sportanlage des Helmut-Patzke-Stadions wird eingeweiht. Zur Einweihung findet ein Fußballspiel zwischen der ersten Mannschaft des SV Wildflecken und dem Zweitligisten Tennis Borussia Berlin statt.

    1999: Der SV Wildflecken hat so viele Mitglieder wie noch nie - während es 1948 erst 118 Mitglieder waren, sind es 1999 schon 625. Seit dieser Zeit gehen die Zahlen jedoch stetig zurück. 2009 kann der Verein noch etwa 523 Mitglieder aufweisen.

    Heute: Der SV Wildflecken besitzt nicht nur ein Sportheim und einen Sportplatz in Wildflecken, sondern auch ein Schützenhaus in Oberwildflecken. Seit 2013 ist Daniel Finn der Vorsitzende. Zusätzlich werden zu den oben genannten Disziplinen auch Volleyball und Turnen angeboten.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 9:00:33 AM

    Walter Gutmann (Foto: Sarah Zubel)

    Autodidakt: Ex-Bürgermeister Walter Gutmann an der Klarinette

    Walter Gutmann nimmt seine Klarinette überall hin mit. Er hat damit schon an vielen Orten auf der Welt gespielt: in Dublin in einem irischen Pub mit einem holländischen Cajon-Spieler einem holländischen Saxophonisten und einem Gitarristen, im Hilton Hotel in Kairo, auf der Elbe mit einer tschechischen Band, in Berlin mit einem argentinischen Gitarristen, in Indien für Kinder eines Waisenhauses, als Jugendlicher auf Bahnhöfen und in Amerika auf dem Blue Ridge Parkway.

    Das schlimmste für Gutmann ist, wenn er
    nicht mitspielen kann. „Es ist wie bei kleinen Kindern auf dem Spielplatz. Man tastet sich an die anderen heran und hofft, dass sie einen mitspielen lassen. Und wenn ich mitspielen darf, ist das ein unendlich schönes Gefühl.

    Walter Gutmann hatte nie einen Lehrer, der ihm das Spielen
    beigebracht hat.
    Lediglich sein Chorleiter Julius Böhmer hat ihm geholfen Töne auszuhalten. Das Erstaunliche dabei ist: Walter Gutmann kann kaum Noten lesen, denn er ist Autodidakt. Er spielt einfach nach Gehör und am liebsten einen guten Blues. Sein Vorbild ist Chris Barber.

    Und wie könnte es auch anders sein, die Musik liegt der ganzen Familie im Blut. Tochter Carolin spielt Querflöte, Gitarre und Akkordeon und Tochter Barbara spielt Klarinette wie der Vater. Sowohl Ehefrau Maria als auch die 93-jährige Schwiegermutter singen und das sehr gut, so Gutmann. Zu
    Weihnachten werden dann im Hause Gutmann kleine Konzerte gegeben.
    Vorher wird den ganzen Tag geprobt.

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 9:01:42 AM


    Autodidakt: Ex-Bürgermeister Walter Gutmann an der Klarinette

    Er hat schon an sehr vielen Orten mit seiner Klarinette gespielt - allein 42 Jahre mit seiner Band "Die Swingin' Five". Auf die Frage, was ihm die Musik bedeutet, folgt Stille und dem ehemaligen Bürgermeister von Wildflecken kommen plötzlich die Tränen.

    "Mir bedeutet die Musik außerordentlich viel. Es hat etwas sehr Beglückendes. Man muss Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten haben, aber wenn das Zusammenspiel mit anderen klappt und die Menschen einem Anerkennung schenken, fühle ich mich wie ein König. Jeder braucht Lob und Anerkennung, vor allem da man im Alltag selten ein Lob zu hören bekommt. Man braucht einen Gegenpol. Andere machen Sport, arbeiten im Garten und für mich ist die Musik mein Gegenpol."

    (Video: Sarah Zubel)

    Kommentar schreiben ()
  • von Sarah Zubel / MAIN-POST | 11/21/2015 2:33:09 PM

    Schöne Momente aus Wildflecken (Fotos: Sarah Zubel)

    Liebe Leserinnen und Leser,

    das Ende unserer Serie ist
    nun gekommen. Wir waren nun viele Tage in Wildflecken unterwegs, haben uns mit der Geschichte sowie Politik des Marktes beschäftigt und dabei viele liebenswürdige Wildfleckener kennengelernt.

    Wir hoffen,
    dass Sie, liebe Leserinnen und Leser, auch unsere nächste Serie wieder mitverfolgen. Zum Schluss noch ein kleiner optischer Leckerbissen von schönen Momenten in Wildflecken.

    Ihre Main-Post Redaktion

    Kommentar schreiben ()
Gesponsert von ScribbleLive Content Marketing Software Platform