Bürgerentscheid zum Kardinal-Faulhaber-Platz in Würzburg

Finale im siebten Bürgerentscheid! Am Sonntag kommt raus, was die Würzburger aus dem Kardinal-Faulhaber-Platz machen wollen. Ab 18 Uhr werden die Stimmen ausgezählt. Wir fangen schon eine Stunde früher an, mit unserem Liveticker aus dem Wahlstudio im Rathaus. Sie erfahren die aktuellen Stände der Auszählung, sehen und hören traurige und freudige Leute, kriegen die Stimmung mit und den ganzen Rest. Für Euch am Start: Manuela Göbel und Wolfgang Jung

  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 8:48:11 PM
    Hallo Peter Sonntag,

    schade, wenn da was nicht angekommen ist. Bis auf einen - beleidigenden - Beitrag habe ich alle online gestellt. An uns liegt's nicht.
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  • von Schoasch | 7/2/2017 8:48:12 PM
    @Franz:
    Im Neuland wird geduzt, gewöhn dich lieber dran ;)
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 8:49:37 PM
    Okay, okay. Noch ein Leckerle!

    "Die Vergeltung" von Annette von Droste-Hülshoff.








    Die Vergeltung



    I
                         Der Kapitän steht an der Spiere,


    Das Fernrohr in gebräunter Hand,


    Dem schwarzgelockten Passagiere


    Hat er den Rücken zugewandt.


    Nach einem Wolkenstreif in Sinnen


    Die beiden wie zwei Pfeiler sehn,


    Der Fremde spricht: »Was braut da drinnen?«


    »Der Teufel«, brummt der Kapitän.

    Da hebt von morschen Balkens Trümmer

    Ein Kranker seine feuchte Stirn,


    Des Äthers Blau, der See Geflimmer,


    Ach, alles quält sein fiebernd Hirn!


    Er läßt die Blicke, schwer und düster,


    Entlängs dem harten Pfühle gehn,


    Die eingegrabnen Worte liest er:


    »Batavia. Fünfhundert Zehn.«

    Die Wolke steigt, zur Mittagsstunde

    Das Schiff ächzt auf der Wellen Höhn,


    Gezisch, Geheul aus wüstem Grunde,


    Die Bohlen weichen mit Gestöhn.


    »Jesus, Marie! wir sind verloren!«


    Vom Mast geschleudert der Matros,


    Ein dumpfer Krach in aller Ohren,


    Und langsam löst der Bau sich los.

    Noch liegt der Kranke am Verdecke,

    Um seinen Balken fest geklemmt,


    Da kömmt die Flut, und eine Strecke


    Wird er ins wüste Meer geschwemmt.


    Was nicht geläng der Kräfte Sporne,


    Das leistet ihm der starre Krampf,


    Und wie ein Narwall mit dem Horne


    Schießt fort er durch der Wellen Dampf.

    Wie lange so? er weiß es nimmer,

    Dann trifft ein Strahl des Auges Ball,


    Und langsam schwimmt er mit der Trümmer


    Auf ödem glitzerndem Kristall.


    Das Schiff! – die Mannschaft! – sie versanken.


    Doch nein, dort auf der Wasserbahn,


    Dort sieht den Passagier er schwanken


    In einer Kiste morschem Kahn.

    Armselge Lade! sie wird sinken,

    Er strengt die heisre Stimme an:


    »Nur grade! Freund, du drückst zur Linken!«


    Und immer näher schwankt's heran,


    Und immer näher treibt die Trümmer,


    Wie ein verwehtes Möwennest;


    »Courage!« ruft der kranke Schwimmer,


    »Mich dünkt ich sehe Land im West!«

    Nun rühren sich der Fähren Ende,

    Er sieht des fremden Auges Blitz,


    Da plötzlich fühlt er starke Hände,


    Fühlt wütend sich gezerrt vom Sitz.


    »Barmherzigkeit! ich kann nicht kämpfen.«


    Er klammert dort, er klemmt sich hier;


    Ein heisrer Schrei, den Wellen dämpfen,


    In Balken schwimmt der Passagier.

    Dann hat er kräftig sich geschwungen,

    Und schaukelt durch das öde Blau,


    Er sieht das Land wie Dämmerungen


    Enttauchen und zergehn in Grau.


    Noch lange ist er so geschwommen,


    Umflattert von der Möwe Schrei,


    Dann hat ein Schiff ihn aufgenommen,


    Viktoria! nun ist er frei!


    II


    Drei kurze Monde sind verronnen,


    Und die Fregatte liegt am Strand,


    Wo mittags sich die Robben sonnen,


    Und Bursche klettern übern Rand,


    Den Mädchen ist's ein Abenteuer


    Es zu erschaun vom fernen Riff,


    Denn noch zerstört ist nicht geheuer


    Das greuliche Korsarenschiff.

    Und vor der Stadt da ist ein Waten,

    Ein Wühlen durch das Kiesgeschrill,


    Da die verrufenen Piraten


    Ein jeder sterben sehen will.


    Aus Strandgebälken, morsch, zertrümmert,


    Hat man den Galgen, dicht am Meer,


    In wüster Eile aufgezimmert.


    Dort dräut er von der Düne her!

    Welch ein Getümmel an den Schranken! –

    »Da kömmt der Frei – der Hessel jetzt –


    Da bringen sie den schwarzen Franken,


    Der hat geleugnet bis zuletzt.«


    »Schiffbrüchig sei er hergeschwommen«,


    Höhnt eine Alte: »Ei, wie kühn!


    Doch keiner sprach zu seinem Frommen,


    Die ganze Bande gegen ihn.«

    Der Passagier, am Galgen stehend,

    Hohläugig, mit zerbrochnem Mut,


    Zu jedem Räuber flüstert flehend:


    »Was tat dir mein unschuldig Blut!


    Barmherzigkeit! – so muß ich sterben


    Durch des Gesindels Lügenwort,


    O mög die Seele euch verderben!«


    Da zieht ihn schon der Scherge fort.

    Er sieht die Menge wogend spalten –

    Er hört das Summen im Gewühl –


    Nun weiß er, daß des Himmels Walten


    Nur seiner Pfaffen Gaukelspiel!


    Und als er in des Hohnes Stolze


    Will starren nach den Ätherhöhn,


    Da liest er an des Galgens Holze:


    »Batavia. Fünfhundert Zehn.«


    Geil, oder?

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  • von Lucy | 7/2/2017 8:49:44 PM
    Das Glück ist eine leichte Dirne,
    Und weilt nicht gern am selben Ort;
    Sie streicht das Haar dir von der Stirne
    Und küßt dich rasch und flattert fort.

    Frau Unglück hat im Gegenteile
    Dich liebefest ans Herz gedrückt;
    Sie sagt, sie habe keine Eile,
    Setzt sich zu dir ans Bett und strickt.

    Zwar keine Ballade, aber ein hübsches Gedichtchen von Heinrich Heine zum Abschied.
    Danke für die Mühe, Herr Jung!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 8:49:55 PM
    Danke, Lucy!
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  • von West | 7/2/2017 8:50:14 PM
    Reicht jetzt zwar nicht zur Balade, sollte trotzdem häufiger gelesen werden:

    Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
    so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
    Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
    und hinter tausend Stäben keine Welt.

    Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
    der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
    ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
    in der betäubt ein großer Wille steht.

    Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
    sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
    geht durch der Glieder angespannte Stille –
    und hört im Herzen auf zu sein.
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 8:50:58 PM
    Ah, West, danke! Rilke! Der Panther! Ja, das ist toll.
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  • von Franz | 7/2/2017 8:51:04 PM
    Sorry @Schoasch,
    ich bin 1899 geboren, für mich auch "neu"! "Schaumemal"!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 8:52:31 PM
    Und noch so ein geiles Stück! Noch mal Droste-Hülshoff: Der Knabe im Moor.


    Der Knabe im Moor

    O schaurig ist's übers Moor zu gehn,

    Wenn es wimmelt vom Heiderauche,


    Sich wie Phantome die Dünste drehn


    Und die Ranke häkelt am Strauche,


    Unter jedem Tritte ein Quellchen springt,


    Wenn aus der Spalte es zischt und singt,


    O schaurig ist's übers Moor zu gehn,


    Wenn das Röhricht knistert im Hauche!


    Fest hält die Fibel das zitternde Kind

    Und rennt als ob man es jage;


    Hohl über der Fläche sauset der Wind -


    Was raschelt da drüben im Hage?


    Das ist der gespentische Gräberknecht,


    Der dem Meister die besten Torfe verzecht;


    Hu, hu, es bricht wie ein irres Rind!


    Hinducket das Knäblein sich zage.


    Vom Ufer starret Gestumpf hervor,

    Unheimlich nicket die Föhre,


    Der Knabe rennt, gespannt das Ohr,


    Durch Riesenhalme wie Speere;


    Und wie es rieselt und knittert darin!


    Das ist die unselige Spinnerin,


    Das ist die gebannte Spinnlenor',


    Die den Haspel dreht im Geröhre!


    Voran, voran, nur immer im Lauf,

    Voran, als woll' es ihn holen;


    Vor seinem Fuße brodelt es auf,


    Es pfeift ihm unter den Sohlen


    Wie eine gespenstige Melodei;


    Das ist der Geigemann ungetreu,


    Das ist der diebische Fiedler Knauf,


    Der den Hochzeitheller gestohlen!


    Da birst das Moor, ein Seufzer geht

    Hervor aus der klaffenden Höhle;


    Weh, weh, da ruft die verdammte Margret:


    "Ho, ho, meine arme Seele!"


    Der Knabe springt wie ein wundes Reh,


    Wär nicht Schutzengel in seiner Näh',


    Seine bleichenden Knöchelchen fände spät


    Ein Gräber im Moorgeschwehle.


    Da mählich gründet der Boden sich,

    Und drüben, neben der Weide,


    Die Lampe flimmert so heimatlich,


    Der Knabe steht an der Scheide.


    Tief atmet er auf, zum Moor zurück


    Noch immer wirft er den scheuen Blick:


    Ja, im Geröhre war's fürchterlich,


    O schaurig war's in der Heide!


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  • von Villagianer | 7/2/2017 8:52:37 PM
    Kein Problem, man lernt ja nie aus!
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  • von Kessburger | 7/2/2017 8:52:43 PM
    Je länger ich beim Warten auf das Endergebnis das Foto oben vom Kardinal Faulhaber Platz anschaue, frage ich mich, warum man das ändern wollte. 😁
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  • von Schoasch | 7/2/2017 8:52:45 PM
    @Franz: kein Ding, Alter :)
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 8:54:16 PM
    Herr Jung, halten Sie durch !

    Dieser Live-Blog wird zu seinem Ende noch richtig intelektuell.

    Auszüge daraus, sollten am Dienstag in der Main-Post abgedruckt werden, als Beweis
    für die Feinsinnigkeit der Würzburger ....
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  • von Franz | 7/2/2017 8:54:18 PM
    Danke "Dir" @Schaos!
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  • von Villagianer | 7/2/2017 8:56:04 PM
    Oh ja bitte aber bitte mit schönen Dino Bildchen!
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  • von Villagianer | 7/2/2017 8:56:06 PM
    Und hat Anita eigentlich schon ihre Geschichte erzählt?
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 8:58:40 PM
    Nur noch knapp eine Stunde bis Mitternacht.... schaffen wir das Endergebnis noch vorher, oder schafft uns das Endergebnis ... ?
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:01:09 PM
    Um Mitternacht holen wir Geschichten von Edgar Allan Poe raus.

    Hier findet Ihr den Kommentar zum Entscheid von Torsten Schleicher, dem Chef der Stadtredaktion der Main-Post: Schlingerkurs abgewählt

    Auszug:

    "(...) Zugleich nämlich honorierte die Wähler-Mehrheit die Entschlossenheit der
    Initiatoren des Bürgerbegehrens „Grüner Platz am Theater“, die sich in
    den vergangenen Monaten nicht aus dem Konzept bringen ließen – vor
    allem, weil sie eines hatten.
    Diese Klarheit ließ die Gegenseite
    vermissen.
    Die Annäherung des Ratsbegehrens an den „Grünen Platz“ war
    weniger gewollter Ausgleich der Positionen, sondern eher der Versuch,
    auf den letzten Metern das Projekt Tiefgarage doch noch zu retten.
    (...)
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  • von Pro Würzburg | 7/2/2017 9:01:15 PM
    Haben wir mal in der sechsten Klasse gelernt und ich habs mal wieder ausgegraben:

    Erich Kästner: Die Entwicklung der Menschheit


    Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
    behaart und mit böser Visage.
    Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
    und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
    bis zur dreißigsten Etage.

    Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
    in zentralgeheizten Räumen.
    Da sitzen sie nun am Telefon.
    Und es herrscht noch genau derselbe Ton
    wie seinerzeit auf den Bäumen.

    Sie hören weit. Sie sehen fern.
    Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
    Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
    Die Erde ist ein gebildeter Stern
    mit sehr viel Wasserspülung.

    Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
    Sie jagen und züchten Mikroben.
    Sie versehn die Natur mir allem Komfort.
    Sie fliegen steil in den Himmel empor
    und bleiben zwei Wochen oben.

    Was ihre Verdauung übrigläßt,
    das verarbeiten sie zu Watte.
    Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
    Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
    daß Cäsar Plattfüße hatte.

    So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
    den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
    Doch davon mal abgesehen und
    bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
    noch immer die alten Affen.



    Ich find's gut :)
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  • von vize | 7/2/2017 9:01:18 PM
    Habe ich das Endergebnis verpasst, oder wird alles nochmal nachgezählt?
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  • von Franz | 7/2/2017 9:01:21 PM
    Ich denke, vielleicht jetzt auch mal?
    Vielleicht sollte Würzburg generell umdenken, und zur "Vergnügunsmeile" zu werden! Da braucht es keine Einkaufswelten usw. Das stimmt ja auch im Grunde in Würzburg, durch die UNI, den Studenten und wir haben ja im Jahr 1 Mill. Besucher und mehr! Lassen wir doch das mit dem "Einkaufen" und besinnen uns auf mehr "Gemütlich- und Gesellichkeit", das hilft doch der Stadt und allen Bürgern! Ich glaube das ist eine Alternative"! Würzburg wird keine Konsumstadt! Das ist vorbei! "Neuaufbau"!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:01:41 PM
    Es gibt noch kein Endergebnis, Sonntag. Leider, leider, leider.
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:02:35 PM
    Ja, der Kästner! Den finde ich auch gut, Pro Sonntag!
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  • von Franz | 7/2/2017 9:02:37 PM
    Oh Gott! Wieder so ein Schreibfehler!
    Danke "Dir" @Schoasch!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:04:07 PM
    So weit bin ich schon. Korrektur: Es gibt noch kein Endergebnis, vize.
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  • von Villagianer | 7/2/2017 9:04:10 PM
    Sie denken jetzt auch Mal? Wie meinen sie?
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  • von Franz | 7/2/2017 9:04:12 PM
    Ja! Das Ding ist durch!
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  • von Pro Würzburg | 7/2/2017 9:04:19 PM
    Wolfgang Jung: 👍
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  • von Troubadoura | 7/2/2017 9:05:36 PM
    Na, da darf doch Friedrich von Schiller nicht fehlen!

    Die Kraniche des Ibykus


    Zum Kampf der Wagen und Gesänge,
    Der auf Korinthus' Landesenge
    Der Griechen Stämme froh vereint,
    Zog Ibykus, der Götterfreund.
    Ihm schenkte des Gesanges Gabe,
    Der Lieder süßen Mund Apoll,
    So wandert' er, an leichtem Stabe,
    Aus Rhegium, des Gottes voll.

    Schon winkt auf hohem Bergesrücken
    Akrokorinth des Wandrers Blicken,
    Und in Poseidons Fichtenhain
    Tritt er mit frommem Schauder ein.
    Nichts regt sich um ihn her, nur Schwärme
    Von Kranichen begleiten ihn,
    Die fernhin nach des Südens Wärme
    In graulichtem Geschwader ziehn.

    "Seid mir gegrüßt, befreundte Scharen!
    Die mir zur See Begleiter waren,
    Zum guten Zeichen nehm ich euch,
    Mein Los, es ist dem euren gleich.
    Von fernher kommen wir gezogen
    Und flehen um ein wirtlich Dach.
    Sei uns der Gastliche gewogen,
    Der von dem Fremdling wehrt die Schmach!"

    Und munter fördert er die Schritte
    Und sieht sich in des Waldes Mitte,
    Da sperren, auf gedrangem Steg,
    Zwei Mörder plötzlich seinen Weg.
    Zum Kampfe muß er sich bereiten,
    Doch bald ermattet sinkt die Hand,
    Sie hat der Leier zarte Saiten,
    Doch nie des Bogens Kraft gespannt.

    Er ruft die Menschen an, die Götter,
    Sein Flehen dringt zu keinem Retter,
    Wie weit er auch die Stimme schickt,
    Nicht Lebendes wird hier erblickt.
    "So muß ich hier verlassen sterben,
    Auf fremdem Boden, unbeweint,
    Durch böser Buben Hand verderben,
    Wo auch kein Rächer mir erscheint!"

    Und schwer getroffen sinkt er nieder,
    Da rauscht der Kraniche Gefieder,
    Er hört, schon kann er nichts mehr sehn,
    Die nahen Stimmen furchtbar krähn.
    "Von euch, ihr Kraniche dort oben,
    Wenn keine andre Stimme spricht,
    Sei meines Mordes Klag erhoben!"
    Er ruft es, und sein Auge bricht.

    Der nackte Leichnam wird gefunden,
    Und bald, obgleich entstellt von Wunden,
    Erkennt der Gastfreund in Korinth
    Die Züge, die ihm teuer sind.
    "Und muß ich dich so wiederfinden,
    Und hoffte mit der Fichte Kranz
    Des Sängers Schläfe zu umwinden,
    Bestrahlt von seines Ruhmes Glanz!"

    Und jammernd hören's alle Gäste,
    Versammelt bei Poseidons Feste,
    Ganz Griechenland ergreift der Schmerz,
    Verloren hat ihn jedes Herz.
    Und stürmend drängt sich zum Prytanen
    Das Volk, es fordert seine Wut,
    Zu rächen des Erschlagnen Manen,
    Zu sühnen mit des Mörders Blut.

    Doch wo die Spur, die aus der Menge,
    Der Völker flutendem Gedränge,
    Gelocket von der Spiele Pracht,
    Den schwarzen Täter kenntlich macht?
    Sind's Räuber, die ihn feig erschlagen?
    Tat's neidisch ein verborgner Feind?
    Nur Helios vermag's zu sagen,
    Der alles Irdische bescheint.

    Er geht vielleicht mit frechem Schritte
    Jetzt eben durch der Griechen Mitte,
    Und während ihn die Rache sucht,
    Genießt er seines Frevels Frucht.
    Auf ihres eignen Tempels Schwelle
    Trotzt er vielleicht den Göttern, mengt
    Sich dreist in jene Menschenwelle,
    Die dort sich zum Theater drängt.

    Denn Bank an Bank gedränget sitzen,
    Es brechen fast der Bühne Stützen,
    Herbeigeströmt von fern und nah,
    Der Griechen Völker wartend da,
    Dumpfbrausend wie des Meeres Wogen;
    Von Menschen wimmelnd, wächst der Bau
    In weiter stets geschweiftem Bogen
    Hinauf bis in des Himmels Blau.

    Wer zählt die Völker, nennt die Namen,
    Die gastlich hier zusammenkamen?
    Von Theseus' Stadt, von Aulis' Strand,
    Von Phokis, vom Spartanerland,
    Von Asiens entlegener Küste,
    Von allen Inseln kamen sie
    Und horchen von dem Schaugerüste
    Des Chores grauser Melodie,

    Der streng und ernst, nach alter Sitte,
    Mit langsam abgemeßnem Schritte,
    Hervortritt aus dem Hintergrund,
    Umwandelnd des Theaters Rund.
    So schreiten keine irdschen Weiber,
    Die zeugete kein sterblich Haus!
    Es steigt das Riesenmaß der Leiber
    Hoch über menschliches hinaus.

    Ein schwarzer Mantel schlägt die Lenden,
    Sie schwingen in entfleischten Händen
    Der Fackel düsterrote Glut,
    In ihren Wangen fließt kein Blut.
    Und wo die Haare lieblich flattern,
    Um Menschenstirnen freundlich wehn,
    Da sieht man Schlangen hier und Nattern
    Die giftgeschwollenen Bäuche blähn.

    Und schauerlich gedreht im Kreise
    Beginnen sie des Hymnus Weise,
    Der durch das Herz zerreißend dringt,
    Die Bande um den Sünder schlingt.
    Besinnungsraubend, herzbetörend
    Schallt der Errinyen Gesang,
    Er schallt, des Hörers Mark verzehrend,
    Und duldet nicht der Leier Klang:

    Wohl dem, der frei von Schuld und Fehle
    Bewahrt die kindlich reine Seele!
    Ihm dürfen wir nicht rächend nahn,
    Er wandelt frei des Lebens Bahn.
    Doch wehe, wehe, wer verstohlen
    Des Mordes schwere Tat vollbracht,
    Wir heften uns an seine Sohlen,
    Das furchtbare Geschlecht der Nacht!

    Und glaubt er fliehend zu entspringen,
    Geflügelt sind wir da, die Schlingen
    Ihm werfend um den flüchtgen Fuß,
    Daß er zu Boden fallen muß.
    So jagen wir ihn, ohn Ermatten,
    Versöhnen kann uns keine Reu,
    Ihn fort und fort bis zu den Schatten
    Und geben ihn auch dort nicht frei.

    So singend, tanzen sie den Reigen,
    Und Stille wie des Todes Schweigen
    Liegt überm ganzen Hause schwer,
    Als ob die Gottheit nahe wär.
    Und feierlich, nach alter Sitte
    Umwandelnd des Theaters Rund
    Mit langsam abgemeßnem Schritte,
    Verschwinden sie im Hintergrund.

    Und zwischen Trug und Wahrheit schwebet
    Noch zweifelnd jede Brust und bebet
    Und huldigt der furchtbarn Macht,
    Die richtend im Verborgnen wacht,
    Die unerforschlich, unergründet
    Des Schicksals dunklen Knäuel flicht,
    Dem tiefen Herzen sich verkündet,
    Doch fliehet vor dem Sonnenlicht.

    Da hört man auf den höchsten Stufen
    Auf einmal eine Stimme rufen:
    "Sieh da! Sieh da, Timotheus,
    Die Kraniche des Ibykus!" -
    Und finster plötzlich wird der Himmel,
    Und über dem Theater hin
    Sieht man in schwärzlichtem Gewimmel
    Ein Kranichheer vorüberziehn.

    "Des Ibykus!" - Der teure Name
    Rührt jede Brust mit neuem Grame,
    Und, wie im Meere Well auf Well,
    So läuft's von Mund zu Munde schnell:
    "Des Ibykus, den wir beweinen,
    Den eine Mörderhand erschlug!
    Was ist's mit dem? Was kann er meinen?
    Was ist's mit diesem Kranichzug?" -

    Und lauter immer wird die Frage,
    Und ahnend fliegt's mit Blitzesschlage
    Durch alle Herzen. "Gebet acht!
    Das ist der Eumeniden Macht!
    Der fromme Dichter wird gerochen,
    Der Mörder bietet selbst sich dar!
    Ergreift ihn, der das Wort gesprochen,
    Und ihn, an den's gerichtet war."

    Doch dem war kaum das Wort entfahren,
    Möcht er's im Busen gern bewahren;
    Umsonst, der schreckenbleiche Mund
    Macht schnell die Schuldbewußten kund.
    Man reißt und schleppt sie vor den Richter,
    Die Szene wird zum Tribunal,
    Und es gestehn die Bösewichter,
    Getroffen von der Rache Strahl.
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:05:44 PM
    Frage: Kann man diesen Live-Blog in den kommenden Tage noch nachlesen ?
    Die Balladen / Gedichte werden mir um diese Uhrzeit zuviel ....
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  • von Schoasch | 7/2/2017 9:05:46 PM
    Kann passieren Franz ;)
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:06:37 PM
    ChrStoeckel, ja, können Sie nachlesen. Aber Sie werden jetzt doch nicht schlappmachen? Wenn Schiller ins Spiel gekommen ist? Und gleich kommt Tucholsky, obacht!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:07:09 PM

    Kurt Tucholsky
    Augen in der Großstadt

    Wenn du zur Arbeit gehst

    am frühen Morgen,


    wenn du am Bahnhof stehst


    mit deinen Sorgen:


    dann zeigt die Stadt


    dir asphaltglatt


    im Menschentrichter


    Millionen Gesichter:


    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,


    die Braue, Pupillen, die Lider –


    Was war das? Vielleicht dein Lebensglück.
    ..

    vorbei, verweht, nie wieder.


    Du gehst dein Leben lang

    auf tausend Straßen;


    du siehst auf deinem Gang,


    die dich vergaßen.


    Ein Auge winkt,


    die Seele klingt;


    du hast's gefunden,


    nur für Sekunden.
    ..

    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,


    die Braue, Pupillen, die Lider –


    Was war das? Kein Mensch dreht die Zeit zurück.
    ..

    vorbei, verweht, nie wieder.


    Du mußt auf deinem Gang

    durch Städte wandern;


    siehst einen Pulsschlag lang


    den fremden Andern.


    Es kann ein Feind sein,


    es kann ein Freund sein,


    es kann im Kampfe dein


    Genosse sein.


    Es sieht hinüber


    und zieht vorüber.
    ..

    Zwei fremde Augen, ein kurzer Blick,


    die Braue, Pupillen, die Lider –


    Was war das? Von der großen Menschheit ein Stück!


    Vorbei, verweht, nie wieder.

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  • von Villagianer | 7/2/2017 9:07:10 PM
    *freu*
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  • von Pro Würzburg | 7/2/2017 9:07:12 PM
    Ja. Die Ratsherren haben nicht abgeliefert und jetzt die Quittung dafür bekommen 😂
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:08:40 PM
    Kreuzdunnerkeil, das dauert aber auch wirklich lange. Jetzt wird schon seit 5 Stunden ausgezählt. Und immer noch kein Endergebnis.
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  • von Pro Würzburg | 7/2/2017 9:08:42 PM
    Ich bin auch für nachlesen!!!! Einige gute Gedichte dabei!!
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:08:44 PM
    Ehrlich gesagt - Tucholsky in allen Ehren ..., würde mich dann doch lieber das Endergebnis interessieren....
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:09:46 PM
    Neben mir hat einer über die Zerbrechlichkeit des Menschen philosophiert, jetzt schleppt er sich heim. Mein Neid ist mit ihm.
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  • von Schoasch | 7/2/2017 9:09:49 PM
    Ich finde, Torsten Schleicher trifft den Nagel mit seinem Standpunkt auf den Kopf...
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  • von Villagianer | 7/2/2017 9:09:53 PM
    Gerade wo die "Diskussion" so gemütlich wird?
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:10:34 PM
    Wer ist denn noch bei Ihnen, Herr Jung, anwesend ? Oder sitzen Sie mittlerweile alleine da ....
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:11:28 PM
    Zu siebt sind wir noch: der Kommunalreferent, noch 4 Leute von der Stadt, 2 Gäste und ich. Zu acht sind wir.
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  • von Franz | 7/2/2017 9:11:52 PM
    Ich! Aber auch nicht mehr all zu lange!
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:12:38 PM
    Und was sagt Herr Kleinert, schaffen wir es vor Mitternacht noch .... ?
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:13:37 PM
    Ich fragte den Kommunalreferenten Kleiner, ob das noch was wird vor Mitternacht, und er sagte: "Ich sag einmal ja."
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:13:59 PM
    Wie vorhin schon geschrieben .... In Würzburg hat man Zeit zum Leben .....
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:15:18 PM
    Allen Ernstes: Der Live-Blog hat wirklich etwas Unterhaltsames.
    Gute Arbeit, Herr Jung !
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:16:24 PM
    Manuela Göbel hat die Geschichte des Abends aufgeschrieben: Würzburger sagen Nein zur Tiefgarage.

    Lesen!
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  • von Pro Würzburg | 7/2/2017 9:16:25 PM
    Danke Wolfgang Jung! War nett moderiert. Verabschiede mich. Muss früh raus 😉
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  • von ChrStoeckel | 7/2/2017 9:16:26 PM
    Waran hängt es denn noch .... ? Zwei Bezirke .... ??
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:17:10 PM
    Die letzten 2 Bezirke werden gerade eingelesen, ruft Rathaus-Sprecher Christian Weiß! Der muss sich zwischendurch ein Schläfchen gegönnt haben, so frisch, wie der wirkt.
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  • von Franz | 7/2/2017 9:17:13 PM
    Wenn einer was erleben will, was mit dem fränkischen Gedanken zu tun hat, gibt es ja Vieles! Das mit den "Geschäften" hat sich wohl oder Übel erledigt! Es machen ja immer mehr dicht, die könne ja nicht mehr mithalten! Die Kultur aber bleibt!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:18:43 PM
    81 von 82 Bezirken sind ausgezählt.

    Der kommt aus Versbach.

    18767 fürs Ratsbegehren
    26247 fürs Bürgerbegehren 2

    Stichfrage

    16284 fürs Ratsbegehren
    23142 fürs Bürgerbegehren 2
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:19:44 PM
    Alle Stimmbezirke sind ausgezählt!

    19456 fürs Ratsbegehren
    27121 fürs Bürgerbegehren 2


    Stichfrage

    16988 fürs Ratsbegehren
    23892 fürs Bürgerbegehren 2

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  • von Franz | 7/2/2017 9:19:52 PM
    So ich gehe jetzt auch ins Bettchen! Gnacht!
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:20:27 PM
    Zur guten Nacht Bert Brecht (danke Karan Troubadoura!)
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  • von Troubadoura | 7/2/2017 9:20:27 PM
    Ich würd' ja vorbeikommen und zählen helfen, aber erstens bin ich gar ned da, und zweitens schon ziemlich müde ... also Zeit für Bertold Brecht:

    Am Grunde der Moldau wandern die Steine
    Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
    Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
    Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.

    Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
    Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
    Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
    Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.

    Am Grunde der Moldau wandern die Steine
    Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
    Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
    Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.
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  • von Wolfgang Jung / MAIN-POST | 7/2/2017 9:22:09 PM
    Das war's!

    Unter den Bäumen wird die Freiheit wohl grenzenlos sein, da dürfen die Wurzeln wuchern, wohin sie wollen, und keine Tiefgarage engt sie ein.

    Gute Nacht wünschen

     manuela.goebel@mainpost.de und wolfgang.jung@mainpost.de
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  • von Villagianer | 7/2/2017 9:22:10 PM
    Danke @Jung für das Aushalten heute Abend.
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  • von Troubadoura | 7/2/2017 9:22:12 PM
    Danke für's Tickern! Ich wünsche gute Nachtruhe! :-)
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  • von elos | 7/2/2017 9:22:17 PM
    Danke, Wolfgang, danke Frau Göbel - und jetzt wohl alle ab in die Falle, morgen ist auch noch ein bewegter Mainpost-Tag, wetten!
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